NA!? LOS!
Sport
NA!? LOS! 13/06/2019

Stadion-Stimme André Schnitker: Über Vertragsverhandlungen und Abschiedsschmerz der Ladies i. B.!

Niemand hat den Spielbetrieb der Ladies in Black vom PTSV Aachen wohl so sehr geprägt, wie er: André Schnitker, 2. Vorsitzender des PTSV, Hallensprecher und Vater von zwei erwachsenen Töchtern, hat schon viele Positionen innegehabt – angefangen vom Volleyballspieler, Trainer, später Abteilungsleiter bis hin zu 7 Jahren als Manager der Ladies in Black. Vielen ist er heute vor allem als Stadion-Stimme der Ladies bekannt. Genau 132 Erstligaspiele für die Ladies in Black hat er mit seinen emotionalen und dabei stets respektvollen Kommentaren begleitet. Aktuell ist Spielpause – also die beste Zeit, um den 57-Jährigen auf einen Kaffee zu treffen und nach dem regen Treiben hinter den Kulissen zu fragen …

Na.de: Herr Schnitker, ...

... die Saison ist gefühlt gerade erst vorbei, die Bronzemedaille ist fast noch warm und Sie stecken schon mitten in den Vorbereitungen für die kommende Spielzeit. Wie geht es Ihnen aktuell?

André Schnitker: Ich bin absolut zufrieden mit unserem Ergebnis der vergangenen Saison – und vor allem stolz auf die Leistung der Ladies. Damit, dass wir erneut das Halbfinale erreichen, habe ich so eigentlich gar nicht gerechnet. Irgendwann im Dezember war aber klar, dass wir nicht 4. oder 5. werden. Und dann war Dresden plötzlich schlagbar für uns – das Ergebnis dieses Viertelfinales war volleyballerisch fast schon eine Sensation. Jetzt können wir uns wieder einmal zu den Topteams der Bundesliga zählen. Das ist natürlich ein gutes Gefühl!

Na.de: Anfang Oktober steht die Wintersaison an. Was passiert aktuell hinter den Kulissen? Wie fühlt es sich an, die Mannschaft wieder einmal neu aufzustellen?

André Schnitker: Mich hat natürlich lange beschäftigt, dass uns „Knippi“ (Kirsten Knip; Anm. d. Red.) verlässt. Sie hat die Mannschaft als Libera jahrelang geprägt, war bei vielen Aktionen das Gesicht der Ladies in Black. Für sie ist das natürlich der logische nächste Schritt. Als Sportlerin hast du nur eine Karriere. Kirsten will jetzt vor allem international spielen – und nach Tokio zu den Olympischen Sommerspielen.

Na.de: Sie begleiten die Ladies seit vielen Jahren. Für viele der Spielerinnen sind Sie bekanntermaßen eine der wichtigsten Bezugsperson im Team. Wie sehr trifft es Sie persönlich, wenn sich eine Sportlerin dazu entscheidet, zu gehen?

André Schnitker: Früher hat mich das oft sehr getroffen. Aber das ist ganz einfach der Lauf der Dinge und man bekommt mit der Zeit eine gewisse Routine in Sachen Abschied. Man schafft es nicht, alle Spielerinnen im Kader zu halten – das wäre auch gar nicht gesund für die Entwicklung der Mannschaft.

Na.de: Kommen wir vom Abschiednehmen zum Willkommen-heißen neuer Spielerinnen – Sie sind jetzt intensiv mit dem Aufbau eines Kaders für die kommende Saison beschäftigt. Wie läuft das eigentlich ab? Wie wird aus einer Bundesliga-Volleyballerin eine Lady in Black?

André Schnitker: Manchmal gibt es bestimmte Wunschkandidatinnen, die wir schon länger ins Auge gefasst haben. Manchmal suchen wir ganz gezielt nach einer bestimmten Position. Unser Trainer- und Betreuerstab setzt sich sehr intensiv mit der Spielweise einer Volleyballerin auseinander, die für uns interessant sein könnte. Damit ist nicht nur die sportliche, sondern auch die charakterliche Spielweise gemeint. Saskia (van Hintum, Cheftrainerin der Ladies in Black; Anm. d. Red.) schaut sich deshalb immer ganze Spiele an und nicht nur Sequenzen glanzvoller Highlights. Für sie ist entscheidend: Wie verhält sich eine Spielerin, wenn die Kamera z.B. nicht auf sie gerichtet ist? Wie kollegial agiert sie im Hintergrund? Meine Aufgabe ist es dann zur Zeit, die Vertragsverhandlungen mit den jeweiligen Spielerberatern abzuschließen.

Na.de: Was macht Ihnen denn am meisten Spaß? Die Arbeit im Hintergrund, das Verhandeln, oder das Starten in die neue Saison?

André Schnitker: Das kann ich so gar nicht beantworten. Für mich hat jede Phase ihren besonderen Reiz. Es sind vielmehr einzelne Momente, die bei mir noch lange nachhallen und die meine Arbeit bei den Ladies in Black immer wieder zu einer echten Herzensangelegenheit machen.

Na.de: Das macht uns neugierig! Teilen Sie doch mal eine solche Situation mit uns!

André Schnitker: Da fällt mir die Situation ein, als das Team Richtung Dresden zum entscheiden Spiel im play-off-1/4-Finale losfuhr - das wir im Grunde, was die Ausgangsvoraussetzungen angeht, eher nicht gewinnen konnten. Trotzdem hörte man aus der oberen Etage des Busses auf einmal den Kampfspruch „LiB – Fight!“. Hinterher wurde erzählt, dass Kirsten Knip der Mannschaft noch einmal eine ordentliche Ansage gemacht und die Mädels sich wohl vorgenommen hatten: Wir gewinnen da jetzt! Für mich ist es immer wieder faszinierend zu sehen, wie 11 oder 12 komplett unterschiedliche Menschen ein gemeinsames Ziel verfolgen. Man kann vom Sport viel für´s Leben lernen!

Na.de: Herr Schnitker, vielen Dank für das spannende Interview – und viel Erfolg bei den weiteren Vorbereitungen!