Na!? Klar!
Kommunikationstechnik
So sieht also ein Glasfaserkabel aus: Michael Gayer, Technischer Leiter der NetAachen, erläuterte der Schülergruppe höchst anschaulich die Funktionsweise der gebündelten Lichtwellenleiter, die für den FTTB-Ausbau im Innenstadtbereich von elementarer Bedeutung sind. (Fotos: Bernd Born)
NA!? KLAR! 12/12/2013

Bildungsinitiative: NetAachen praktiziert lebendige Partnerschaft mit der Montessori-Gesamtschule.

von Bernd Born

Wie funktioniert eigentlich das Internet? Was ist FTTB? Und welche Rolle spielen Glasfasern dabei? Fragen, auf die 16 Schüler der Maria-Montessori-Gesamtschule spätestens seit Montagnachmittag eine passende Antwort parat haben dürften. Der ausgelagerte Physik-Unterricht in einem Technikraum der NetAachen kam nämlich einem Crashkursus in Sachen Telekommunikation gleich - von leicht verständlichen Abläufen und Funktionsweisen über Begriffserklärungen (FTTB = engl. Fibre to the Basement oder Fibre to the Building) bis hin zu komplexen Messtechniken, die auf den Namen "Optische Zeitbereichsreflektometrie" hören.

Gar nicht mal so einfach: Beim Lichtbogenverschweißen von zwei Glasfasern mittels hochsensiblem Gerät, im Fachjargon "Spleißen" genannt, ist besonders exaktes Arbeiten gefragt. Marko Heusch, Projektleiter Netzbau/Infrastruktur bei der NetAachen, gibt praktische Tipps.
Der FTTB-Raum "Peterstraße" im Suermondtviertel ist die NetAachen-Schaltzentrale für die flächendeckende Glasfaserversorgung im Innenstadtbereich (hier sogenannte Patchreihen zur Anbindung weiterer Gebäude oder Ausbaugebiete).
Eine Skizze kann sehr aufschlussreich sein - wie die von Michael Gayer zum generellen Internet-Procedere.

Doch schön der Reihe nach. Der mit hochmoderner Klimatechnik ausgestatte FTTB-Raum in der Peterstraße ist "die" NetAachen-Schaltzentrale für den flächendeckenden Glasfaserausbau im Innenstadt-Bereich. "Zählt man alle acht Ausbaugebiete zusammen, sprechen wir von insgesamt 6500 Gebäuden und einer zu verlegenden Glasfasertrasse von rund 90 Kilometern Länge", konnte Michael Gayer, Technischer Leiter der NetAachen, der Schülergruppe um Lehrer Holger Remmel eine verlässliche Größenordnung an die Hand geben. Mit dem Suermondtviertel, dem Bahnhofsviertel und Hotmannspief sind drei von acht sogenannten „NetAachen-Kacheln“ bereits fertig ausgebaut. Das Rosviertel und das Rehmviertel werden sich in naher Zukunft anschließen. Mit der Glasfaser, die als Lichtwellenleiter zur optischen Datenübertragung verwendet wird, können Geschwindigkeiten von mehr als 100 Mbit/s erreicht werden - das ist viel schneller als normales DSL. Die dazugehörige Technik nennt sich FTTB, bei der die Glasfaserkabel durch eine gas- und wasserdichte Hauseinführung bis in die einzelnen Gebäude hinein verlegt werden.

Nach dem Basiswissen und erstem Anschauungsunterricht hatte Marko Heusch, Projektleiter Netzbau/Infrastruktur, noch einen kleinen Praxisteil vorbereitet. So durften die potenziellen Auszubildenden beim Spleißen, dem fachgerechten Verbinden von zwei Glasfasern mittels hochsensiblem Gerät, ihre Fingerfertigkeit unter Beweis stellen. Auch die klassische Diagnose-Messung einer Glasfaserstrecke gab weitere Aufschlüsse über das Berufsfeld "Netzwerk- bzw. Kommunikationstechniker". Eine sogenannte OTDR-Messung (Optical Time Domain Reflectometer bzw. Optische Zeitbereichsreflektometrie) liefert neben einer exakten Längenermittlung - tatsächlich gemessen wird die Laufzeit des Laser- bzw. Lichtimpulses - den ortsaufgelösten Dämpfungsverlauf eines Lichtwellenleiters (LWL). "So lässt sich stets die Qualität bzw. Güte der Leitung nachkontrollieren", so Heusch.

Als KURS-Partner (Kooperation Unternehmen der Region und Schulen) funken die Maria-Montessori-Gesamtschule und NetAachen schon seit gut einem Jahr auf einer Wellenlänge. "Diese Partnerschaften haben in den vergangenen Jahren zur frühzeitigen Berufsorientierung von Schülern und damit auch zur Sicherung von Fachkräften beigetragen", so Heinz Gehlen, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen, die die Initiative unterstützt. Die Schüler lernen die Arbeitswelt kennen und können dabei wichtige Erfahrungen für die Zukunft sammeln.

"Das Projekt mit der NetAachen ist Teil des Schulprogramms und ermöglicht den Schülern der Jahrgangsstufen 8 und 9 das Hineinschnuppern in verschiedenste Ausbildungsberufe“, spricht Schulleiterin Irmgard Braun von einer „lebendigen Kooperation“, die zudem Praktikumsplätze und Bewerbungstrainings als Inhalte hat. „Wir sehen uns als regionales Unternehmen in einer sozialen Verantwortung“, erläutert Geschäftsführer Andreas Schneider die Beweggründe der NetAachen: „Wenn wir den Schülern unsere Berufe und vor allem den Spaß daran näherbringen können, hat sich die Zusammenarbeit für beide Seiten gelohnt.“

KURS wird von den Industrie- und Handelskammern Aachen, Bonn/Rhein-Sieg und Köln sowie der Handwerkskammer zu Köln und der Kölner Bezirksregierung mit dem Ziel betrieben, Wirtschaft und Arbeitswelt ins Klassenzimmer zu bringen und die Schüler damit besser auf das Berufsleben vorzubereiten. Und statt eines Klassenzimmers ist in besonders praxisnahen Fällen auch ein hochkomplexer Technikraum in der Aachener Innenstadt geeignet. Die nächste Besuchs- und Fragestunde haben Holger Remmel und Michael Gayer längst terminiert.