Na!? Wo?
Ausflugstipps, Lieblingsplätze
NA!?-Fototermin am Aachener Lindenplatz (für Alexander Barth übrigens auch so ein ganz spezieller Ort mit "111-Potenzial"): Der Autor und seine Fotografin Jenny Roder präsentieren ihren neuen alternativen Reiseführer, der Sehenswertes aus dem Dreiländereck auf 240 Seiten vereint. (Foto: Bernd Born)
NA!? WO? 22/08/2014

111 Orte ...: Alexander Barth und Jenny Roder gelingt einfühlsame Symbiose von Wort und Bild.

von Bernd Born

Wir haben die Qual der Wahl. Welcher unserer Rubriken lässt sich denn nun das net(t)e Treffen auf einen in den Tag helfenden Milchkaffee mit Alexander Barth und Jenny Roder zuordnen? NA!? WER? (Menschen aus der Region) bietet sich zweifelsohne an, schließlich zählen Autor und Fotografin zum Schlag Mensch, der von jetzt auf gleich überaus sympathisch rüberkommt und obendrein eine ganze Menge zu erzählen hat.
Die Entscheidung fällt dennoch auf unsere - wir geben es zu - noch etwas stiefmütterlich behandelte Rubrik NA!? WO?, die in zweiter Konsequenz mit dem erklärenden Zusatz "Ausflugstipps und Lieblingsplätze" unterschieben ist.

Seit dem 18. Juni im Buchhandel: "111 Orte im Dreiländereck, die man gesehen haben muss" - 14,95 Euro kostet das gute Stück, das in keinem gut sortierten Öcher Bücherregal fehlen sollte.
Blick ins Buch: Auch die altehrwürdige Westkampfbahn hat es auf eine Doppelseite geschafft; Untertitel: Als die 99er nach den Sternen griffen. (Foto: Bernd Born)

Unsere beiden Gesprächspartner haben schon lange vor uns genau diese Herangehensweise perfektioniert und in Buchform gepackt. Etwa zwei Jahre nach Barths Erstlingswerk "111 Orte in Aachen und der Euregio, die man gesehen haben muss", hat das unternehmungslustige Duo 111 weitere Orte ausfindig gemacht, die ebenfalls der dringenden Aufnahme in einen "etwas anderen, alternativen Reiseführer" bedurften.

Konzept und Verlag sind wohlweislich geblieben, um "Aachen und Euregio" durch "Dreiländereck" zu ersetzen und die einmal mehr gelungene Symbiose von Wort und Bild durch die einfühlsame (den jeweiligen Ort betreffend) Fotografie-Kunst von Jenny Roder zu komplettieren."Sie hat den etwas abseitigen Blick und lässt gewisse Dinge erstmal geschehen, um dann abzuwägen, was genau im Fokus stehen sollte", ist Alexander Barth von den ganz besonderen Blickwinkeln begeistert.

Wo soll der berühmte d'Artagnan sein Ende gefunden haben? Wo baute man der Möhre ein Museum? Und wo erscheinen Bergmänner immer noch zur Schicht, obwohl die Zeche vor zwei Jahrzehnten geschlossen wurde? Das Buch präsentiert im Doppelseiten-Modus 111 lebendig erzählte Kurzgeschichten und Stimmungen aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden - und einem längst verschwundenen Staat. Alexander Barth und Jenny Roder - beide sind übrigens auch im wirklichen Leben ein Paar - haben ihr Freizeitprogramm komplett der Grenzregion gewidmet und stellen spannende, schicksalhafte und skurille Orte vor: Monumente und Mahnmale, Kult(ur)stätten und Orte der Stille. "Besonders schön war das gemeinsame Erleben der Schauplätze", erzählt Jenny Roder: "Alleine hat man manchmal doch eine etwas eingeschränktere Wahrnehmung."

"Es galt einmal mehr das gängige Vorurteil zu widerlegen, dass hier in der Gegend nichts los sei", weiß Alexender Barth auch jedem noch so kleinen Detail durch den ihm eigenen Schreibstil Leben einzuhauchen. Ein "Abbeten von Fakten", wie er es nennt, sucht man in seinen Texten vergebens. Nützliche Infos (Adresse, Anfahrt, Öffnungszeiten) und Tipps sind prägnant im Nachgang aufgeführt.

In "111 Orten" geht es nicht zuletzt auch um interessante Personen, die das Dreiländereck geprägt haben oder dies bis heute tun. Menschen, die sich an Sprachen und Mentalitäten aus drei Nationen bedienen und zwischen Fritten, Braukunst und Bergbau ihre eigene, liebenswerte Identität entwickelt haben. Den Schlusssatz "klauen" wir einfach aus der Klenkes-Renzension von Christoph Löhr. "Insgesamt lassen Barth und Roder eine wunderbar ineinander fließende Wort-Bild-Kombination entstehen, die Auswärtigen und Einheimischen gleichermaßen den Mund nach diesen besonderen Orten wässrig macht". Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen.

In der NA!?-Redaktion liegen jedenfalls beide Bücher auf dem Schreibtisch - und wer weiß, vielleicht gibt es hier (NA!? WO?) ja noch den ein oder anderen "Nachschlag"? Wir arbeiten daran ... ;-)


Alexander Barth, Jenny Roder (Fotografien)

111 Orte im Dreiländereck, die man gesehen haben muss

Broschur
Köln: Emons Verlag 2014
ISBN 978-3-95451-316-1
240 Seiten
14,95 Euro
Originalausgabe

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Alexander Barth, Jahrgang 1977, lebt und arbeitet als Journalist und Autor in seiner Geburtsstadt Aachen. Auf der Suche nach Geschichte und Geschichten ist er in der Region ebenso gern unterwegs wie auf Konzerten, Flohmärkten oder Fußballplätzen.

Jenny Roder, 1987 in Aachen geboren, ist grenzenloser Kulturmensch. Sie studierte Integrated Design an der Köln International School of Design und war zuvor einige Jahre in einer Werbeagentur tätig. Heute ist sie freischaffende Designerin, Texterin und Konzepterin.