Na!? Wer?
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Formal die Prokuristin der Aachener Reitturnier GmbH (ART), im wahren Leben einfach nur ein besonders lieber Mensch: Conny Mütze.
NA!? WER? 14/02/2018

E-Mail an ...: Reitturnier-Prokuristin Conny Mütze ist "einfach nur" ein ganz besonders lieber Mensch.

von Bernd Born

Ist doch auch mal schön! Oftmals leben unsere NA!?-Geschichten ja gerade von der unvoreingenommenen Herangehensweise, mit der wir uns Themen und vor allem auch den handelnden Personen widmen. Nun ja, oftmals: Im konkreten Fall von Conny Mütze, mit der wir uns für ein paar einleitende Worte zu unseren 22 Fragen in den heiligen CHIO-Hallen, dem charakteristischen Stadionvorbau an der Albert-Servais-Allee, verabredet haben, müssen wir die "redaktionelle Faustformel" mal außer Acht lassen. Die 43-Jährige trifft man nämlich nicht nur an ihrer "Reitstadion-Heimspielstätte" an, sondern vermehrt auch als bekennende Anhängerin der Ladies in Black zum Volleyball an der Neuköllner Straße. Und wir dürfen es vorwegnehmen: Unser dort gewonnener Eindruck - extremst sympathisch, herzlich, maximal sportinteressiert und sich erfrischend nicht so wichtig nehmend - soll sich in der kommenden knappen Stunde als absoluter Volltreffer in Sachen Menschenkenntnis erweisen!

Das Weltfest des Pferdesports, CHIO Aachen, findet in diesem Jahr vom 13. bis 22. Juli auf dem traditionsreichen Turniergelände in der Soers statt. Ausrichter ist der Aachen-Laurensberger Rennverein e.V. (ALRV), für die Vermarktung zeichnet sich seit 1975 die Aachener Reitturnier GmbH (ART) verantwortlich.

Das dem so ist, haben wir unsere Gesprächspartnerin natürlich zu keiner Zeit wissen lassen. Also tasten wir uns heran: Conny Mütze, in Dresden geboren und aufgewachsen, mag es eher weniger, im Mittelpunkt oder gar Rampenlicht zu stehen. Vor dem Mitmachen hier auf NA!? hat sie sich lange genug gedrückt, nicht wissend, dass wir einfach nicht locker lassen würden. In (Social-Media-)Zeiten, die wie Pilze aus dem Boden schießenden Selbstdarstellern Tür und Tor öffnen, verschweigt die Teamplayerin am liebsten sogar, dass ihre Stellenbeschreibung bei der den CHIO Aachen vermarktenden Aachener Reitturnier GmbH (ART) die hochverantwortungsvollen Aufgaben einer Prokuristin vereint. "Erfolg stellt sich ein, wenn man im Team die Stärken des Einzelnen nutzt", verrät die Wahl-Aachenerin vielsagend in unserem nachfolgenden Fragenkatalog, um nachzuschieben, es sehr zu schätzen, "mit allen gut zurecht zu kommen".

Den ART-Auftrag von Conny Mütze an der Seite von Geschäftsführer Michael Mronz haben wir mal auf die prägnantesten Elemente gerafft: Betreuung und Akquise der Wirtschaftspartner, Vermarktung des VIP-Bereichs - dazu ein nicht minder bedeutendes Maß an Verantwortung für die drei Säulen Personal, Buchhaltung und Finanzen. "Wenn ich etwas mache, dann mit totaler Überzeugung und Begeisterung", so die hier ausnahmsweise mal in den Mittelpunkt Gerückte: "Und diese vollständige Identifikation beinhaltet für mich auch, dass ein persönliches Wort - egal ob zum Mitarbeiter, zum Sponsorenvertreter oder Anrufer an der VIP-Ticket-Hotline - immer auch ein besonderes Gewicht haben sollte. Nicht weil es zum guten Ton gehört, sondern vielmehr aus ehrlichem Interesse."

Zum "Traumjob" gekommen - wir haben tatsächlich doch ein Interview mit den Aachener Nachrichten von vor gut drei Jahren gefunden - ist Conny Mütze eher zufällig: "1994 habe ich Michael Mronz in Dresden, wo er das 1. ATP Tennisturnier (Association of Tennis Professionals) organisiert hat, einfach angesprochen und gesagt, dass ich für seine Agentur MM Promotion arbeiten möchte. Er hat 'Ja' gesagt; in der Folge hat er mich bei verschiedenen Sportveranstaltungen - von Tennis über Eishockey bis hin zum Beachvolleyball - eingesetzt." 1997 wurde Mronz dann Geschäftsführer der Aachener Reitturnier GmbH, "er hat mir dort einen Job für einen begrenzten Zeitraum angeboten, wenige Wochen später hatte ich eine feste Stelle und Aachen wurde meine neue Heimat."

Das ist jetzt ziemlich genau 20 Jahre her und es wäre recht einfach für uns, diese runde Zeitspanne als Aufhänger für unsere NA!?-Geschichte heranzuziehen. Wir versuchen es erst gar nicht, denn Conny Mütze hat so viel mehr zu erzählen. Mittlerweile mit eigenem, frisch renovierten Häuschen fest im Kaiserstädtchen verwurzelt, spielt der Sport nach wie vor die allererste Geige im Leben der CHIO-Gestalterin ("Für mich ist allesentscheidend, dass die Besucher auf dem Turniergelände eine wunderschöne Zeit haben!"). Sport in allen Facetten: Vom olympischen Bobfahren bis zum Ringen - "bei mir läuft im Hintergrund eigentlich immer irgendwo ein Fernseher - ohne Sport ist alles nichts." Ganz besonders angetan hat es der Dresdnerin aber vor allem das Spiel mit der gelben Filzkugel. Laufen beispielsweise die Australian Open mit dem "in vielerlei Hinsicht beeindruckenden Roger Federer", befindet sich Conny Mütze im selbst auferlegten Ausnahmezustand. Auch die Auftritte der momentan auf Weltranglistenplatz 9 liegenden Angelique Kerber stehen ganz hoch im Kurs. Die Antwort auf die spontan-testend ;-) eingeworfene Frage nach Boris Beckers Finalgegner vom ersten Wimbledon-Sieg 1985, gesucht ist der weitgehend unbekannte Südafrikaner Kevin Curren, kommt wie aus der Pistole geschossen. Wir geben auf: In Sachen Sport lässt sich die treibende CHIO-Kraft kein X für ein U vormachen. Phänomenal!

Und selbst, also aktiv? Aufgrund anhaltender Rückenprobleme muss sich Conny Mütze anno 2018 auf Reha-Sport beschränken. Auch das war mal anders, die Grenze zum Leistungssport lag mehrmals zum Greifen nah. Der von den Eltern vorgesehenen Karriere als Eiskunstläuferin konnte "Frostbeule" Conny allerdings nur wenig abgewinnen ("Außerdem habe ich Kleidchen, die man dazu tragen musste, abgrundtief gehasst!"). Stark ausgeprägte koordinative Fähigkeiten und ein obligatorischer Abstecher ins Westfernsehen (zumeist während der Urlaubsaufenthalte in Ungarn) ebneten schließlich den Weg zum im wahrsten Sinne des Wortes nächsten Sprungbrett: Der Dresdnerin Ingrid Krämer-Gulbin, Olympiasiegerin im Wasserspringen von Rom 1960 und Tokio 1964, nacheifernd, hatte die experimentierfreudige heranreifende Teenagerin ein neues sportliches Betätigungsfeld ausgemacht - und das, obwohl Haare waschen so gar nicht ihr Ding war. "Ich musste mich tatsächlich in die Badewanne setzen und mir ohne Murren die Brause über den Kopf halten lassen, um meiner Mutter zu beweisen, dass es mir ernst war", schwelgt Conny Mütze in schönen Erinnerungen, um mit ihren Erfahrungen als Steuerfrau beim Rudern ("Genau mein Ding - dort konnte ich erstmals als Bindeglied zwischen Trainern und Sportlern fungieren und motivierend einwirken, das scheint mir zu liegen!") das Kapitel abzuschließen. Und Tennis? "Leider war das in der ehemaligen DDR kein geförderter Sport", so die heute 43-Jährige. Ansonsten hätten wir wetten können ...

Ganz ehrlich, wir hätten noch eine Stunde dranhängen können mit Conny Mütze, aber wir haben ja auch noch unsere 22 Fragen, deren spannende Antworten uns die Prokuristin der Aachener Reitturnier GmbH schon vor unserem Gespräch fein säuberlich und wie immer bestens vorbereitet schwarz auf weiß präsentiert hat. Als wir nach einer herzlichen Verabschiedung unser Auto auf dem riesigen, zu Nicht-CHIO-Zeiten mit seinem ganzen Ausmaß strotzenden Parkplatz vor dem Verwaltungsgebäude erreichen, müssen wir kurz reflektieren: Da haben wir uns mal eben und völlig unkompliziert mit einer Frau "kurzgeschlossen", die, um es mal mit Zahlen zu veranschaulichen, ein gut zweistelliges Millionen-Budget zu verwalten und nicht zuletzt auch zu verantworten hat, aber dennoch sowas von "herzerfrischend normal" geblieben ist, dass uns nur ein kurzes "Wow" entfleuchen möchte. Menschen, die richtig was können, müssen keine große Reden über sich selbst schwingen. Danke, liebe Conny - Du hast uns ein schönes Stück "Glauben" zurückgeschenkt. Schön, dass auch eine NA!?-Geschichte mit im Nachhinein bestätigter Vorahnung so gut funktionieren kann.

Worüber können Sie lachen?
über mich selbst; gute Comedy und Geschichten, die das Leben schreibt

Was bedeutet Ihnen Erfolg?
Erfolg stellt sich ein, wenn man im Team die Stärken des Einzelnen nutzt und gemeinsam das Ziel nicht aus den Augen lässt.

Welche historische Persönlichkeit bewundern Sie?
Barack Obama

Wovor haben Sie Angst?
vor Silberfischen, Spinnen ...

In wessen Haut würden Sie gerne mal für 24 Stunden schlüpfen?
Roger Federer - wenn er den heiligen Rasen von Wimbledon betritt

Was gibt es bei Ihnen zum Frühstück?
Kaffee

Was ist Ihnen peinlich?
Wenn es um mich geht; das mag ich eigentlich nicht und schicke daher gerne mal andere vor.

Welcher ist Ihr Lieblingsfilm?
Ich bin wahrscheinlich die einzige, die es zugibt: Dirty Dancing, aber dicht gefolgt von "8 Blickwinkel" (Originaltitel: Vantage Point) und "24 - Twenty Four" (US-amerikanische Fernsehserie).

Welches Buch liegt zur Zeit auf Ihrem Nachttisch?
Nele Neuhaus: Im Wald (Krimi)

Was bedeutet Schönheit für Sie?
Im Sinne einer optischen Beurteilung von Menschen ist Schönheit in meinen Augen unwichtig; im Zusammenhang mit Erinnerungen an Orte oder Begebenheiten bedeutet sie mir viel.

Worauf sind Sie stolz?
vor 20 Jahren den Schritt nach Aachen gewagt zu haben

Was ist Ihr Lieblingsessen?
Sushi und manchmal ganz einfach ein frisches Brot mit Leberwurst

Was können Sie nicht mehr hören?
wenn immer die anderen schuld sind und keine Verantwortung für eigene Fehler übernommen wird; Fehler sind absolut menschlich und passieren - niemand ist fehlerfrei, allerdings sollte man aus Fehlern lernen und sie nicht zweimal machen

Was verschieben Sie am liebsten auf den nächsten Tag?
Putzen und Aufräumen

Was bringt Sie in Rage?
Falschparker, Hundehaufen, Ignoranz und Gleichgültigkeit

In welchem Land könnten Sie sich vorstellen zu leben und warum?
Früher habe ich von Australien geträumt, weil es weit weg ist, tolles Wetter herrscht und alle Menschen dort vermeintlich gut drauf und entspannt sind. Heute bin ich gerne in der Welt unterwegs, freue mich aber jedes Mal wie Bolle, nach Hause kommen zu können. Ich kann mir derzeit nicht vorstellen, woanders zu leben.

Welches Sprichwort hat für Sie eine Bedeutung?
Man trifft sich immer zweimal im Leben

Wie könnte der Titel Ihrer eigenen Biographie heißen?
Da bin ich vollkommen unkreativ: Mir kommt es nicht in den Sinn eine Biographie zu schreiben und ich bin mir auch sehr sicher, dass das keinem anderen einfallen wird.

Welchen Beruf wollten Sie als Kind ergreifen?
Seit ich denken kann, wollte ich Sportler werden. Deshalb lief in meiner Kindheit auch immer der Fernseher mit irgendwelchen Sportsendungen oder Reportagen über Sportler. Ich erinnere mich, dass dieses Thema auch ab und an als super Ausrede für langes Wachbleiben gedient hat.

Haben Sie einen Lebenstraum?
Ja - Olympische Spiele in Deutschland. Und am liebsten 2032 an Rhein und Ruhr.

Was war Ihr letzter Online-Kauf?
Eine Hausklingel - ich habe mir gedacht, dass nach einem Jahr im neuen Heim endlich mal eine vernünftige Klingel hermüsse. Jetzt liegt das Paket im Wohnzimmer und wartet auf die nächsten Schritte. ;-)

Was würden Sie niemals in einem Social Network posten?
was ich gerade esse oder trinke - diesen Hang, alles mit Gott und der Welt teilen zu müssen, habe ich nicht


Mit "E-Mail an ..." wendet sich NA!? an Menschen aus der Region Aachen, Düren und Heinsberg - von allseits bekannten Persönlichkeiten aus sämtlichen Bereichen der Gesellschaft bis hin zu net(t)en Mitmenschen, die sonst eher nicht im Fokus der Öffentlichkeit stehen, um sie mal von einer ganz anderen Seite vorzustellen.