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Schon jetzt prägen sämtliche Organisationsabläufe zum Aachener Part des Projektes "Tour de France - Grand Départ Düsseldorf 2017" bis zu 80 Prozent seines täglichen Arbeitspensums: André Schnitker, Referent von Oberbürgermeister Marcel Philipp. "Le Tour" fällt zweifelsohne in seinen Zuständigkeitsbereich mit dem Obertitel "Veranstaltungen". (Foto: Bernd Born)
NA!? WAS? 10/05/2017

Tour de France: Vom OB betraut - bei André Schnitker laufen sämtliche Aachener Orga-Strippen zusammen.

von Bernd Born

Im Sport kennt er sich aus. Wie kaum ein Zweiter, da sind wir uns ziemlich sicher. So sicher, dass wir André Schnitker auf die von uns für solche Fälle gerne herangezogene härteste aller Proben stellen möchten. Gegen wen sich der 17-jährige Boris Becker im Wimbledon-Finale von 1985 seinen allerersten Grand-Slam-Titel sicherte, fragen wir flapsig-flugs mal in den Raum - vielleicht lässt sich der vielseitige Experte ja auf dem heiligsten aller Rasen auf die falsche Fährte locken.

Das offizielle Logo der Tour de France, die in diesem Jahr auch durch die Aachener City rollt. Das "R" stellt einen Radrennfahrer dar, der gelbe Kreis ist das Vorderrad.
Tour de France in Klein-Paris: Der Grand Départ des bekanntesten Radrennens der Welt wird vom 29. Juni bis 2. Juli 2017 in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf stattfinden. Und im Rahmen der zweiten Etappe "Düsseldorf - Lüttich" wird auch Aachen involviert sein.
Aachen freut sich auf die Tour - "... sogar Kaiser Karl trägt Gelb!" Der offizielle Video-Trailer der Stadt Aachen ist ein echter Appetithappen - einfach runterscrollen oder in die NA!?-Videothek wechseln.

Was das alles mit der Tour de France zu tun hat, die nun mal das ausgemachte Thema für den Besuch des Referenten von Oberbürgermeister (OB) Marcel Philipp in der NA!?-Redaktion ist? Nichts, und doch. "Das berühmteste Radrennen der Welt ist in diesem Jahr zugleich auch das größte Sportereignis auf diesem Planeten", blickt Schnitker, im zweiten Leben omnifunktioneller und nimmermüder Mitpräger des Aachener Volleyball-Märchens mit Namen "Ladies in Black", bereits auf das die zweite Jahreshälfte einläutende Wochenende und ganz speziell den 2. Juli voraus. Denn dann wird auch Aachen Tour-Geschichte schreiben, wenn die besten Radprofis rund um die deutschen Topfahrer André Greipel, Tony Martin, Marcel Kittel und John Degenkolb bei "mittlerer Geschwindigkeit" (geschätzt 43 km/h) gegen 15.45 Uhr im Kaiserstädtchen erwartet werden. Nach dem Start der zweiten Etappe in Düsseldorf, wo am Tag zuvor die Tour de France 2017 mit dem Prolog beginnt, erreicht das Starterfeld bei Kilometer 143 über Haaren (Alt-Haarener-Straße) Aachener Stadtgebiet und durchquert die Stadt über die Jülicher Straße, Peterstraße, Seilgraben, Neupforte, Mostardstraße, über den Markt, die Jakobstraße und die Lütticher Straße, bis die round about 200 Fahrer aus 22 Teams am ehemaligen Grenzübergang Bildchen Öcher Gefilde und somit auch Deutschland wieder verlassen.

"Der Aachener Teil der 206 Kilometer langen Etappe Düsseldorf - Lüttich beträgt exakt 12,4 Kilometer", weiß André Schnitker nur zu gut, schließlich ist er von seinem (Verwaltungs-)Chef als der Mann auserkoren worden, bei dem alle Organisationsfäden zusammenlaufen: "Le Tour prägt schon jetzt bis zu 80 Prozent meines Arbeitstages - Tendenz steigend." Als Koordinationsleiter ist Schnitker stetiger Aachener Ansprechpartner der Düsseldorfer Ausrichter des Tour-Auftaktes um Ex-Profi Sven Teutenberg (Grand Départ Düsseldorf, 29. Juni bis 2. Juli 2017: Vorstellung der Mannschaften, Offizielles Training, Prolog als Einzelzeitfahren, Start der zweiten Etappe), um unter anderem alle Beteiligten im Wochenrhythmus an einen Tisch zu bringen - von der Straßenverkehrsbehörde, dem Stadtbetrieb und dem Ordnungsamt über Feuerwehr und Polizei bis hin zu ASEAG, APAG, dem Technischen Hilfswerk sowie den Sanitäts- und Rettungsdiensten. Mittlerweile füllen die bis ins klitzekleinste Detail vorgegebenen Organisationsanweisungen zu Themen wie Streckensicherung, Verkehr, Absperrungen, Beschilderung, Sicherheit und Personal mehrere Aktenordner. "Da gibt es nichts, was es nicht gibt", so der 55-Jährige zum alles ins Kalkül ziehenden Roadbook.

Für den großen Tour-Tag werde die Stadt sinnbildlich in zwei Hälften geteilt: Etwa sechs Stunden sei der nordöstliche vom südwestlichen Teil abgetrennt, dennoch ließen sich fünf sogenannte Rettungsschleusen einrichten, um im Notfall ein schnellstmögliches Vordringen der Einsatzkräfte zu jedem erdenklichen Einsatzort in der Stadt gewährleisten zu können. "Fakt ist aber", so Schnitker, "dass es zu erheblichen Einschränkungen im Stadtverkehr kommen wird." Schließlich rolle als Vorhut eine bunte Werbekarawane ("Wie ein Rosenmontagszug, nur in schnell und ohne Fußgruppen!") über die Piste, nahtlos abgelöst von etlichen Merchandising- und noch mal etwa 300 Begleitfahrzeugen. Der ganz normale Tour-Wahnsinn eben!

Für Andé Schnitker wird es in den nächsten acht Wochen mehr denn je darauf ankommen, kühlen Kopf zu bewahren. Ein (Aachener) Rädchen muss ins andere greifen - wohl dem, der dazu ein funktionierendes Großes und Ganzes hinter sich weiß. "Karlspreis, SeptemberSpecial, Weihnachtsmarkt, Rosenmontagszug - man merkt einfach, dass sich Aachen mit Großveranstaltungen auskennt", richtet der Organisationsleiter schon mal vorab ein großes Lob an seine Kollegen aus den Fachbereichen der Verwaltung sowie alle involvierten Verbände, Vereine und Organisationen. Dennoch habe man noch reichlich Arbeit zu vergeben und sei daher um weitere freiwillige Helfer dankbar. Wer Interesse hat und volljährig ist, kann sich nach wie vor unter der Mailadresse melden.

Im Vergleich zum millionenschweren Düsseldorfer Grand-Départ-Engagement ist der Aachener Part verschwindend gering, dennoch musste Oberbürgermeister Marcel Philipp nicht lange überlegen, als ihn sein Amtskollege aus der Landeshauptstadt, Thomas Geisel, erstmals mit der Möglichkeit konfrontierte, die Kaiserstadt mitsamt ihrer umliegenden radsportbegeisterten Region mit ins (Tour-)Boot zu holen. "Der Aufwand, den wir betreiben, ist schon enorm, aber wir bekommen das mit der Hilfe vieler Partner und in Kooperation mit den Organisatoren in Düsseldorf mit absoluter Sicherheit gut in den Griff", so Philipp, der sich von André Schnitker zu allen Themen stets auf dem Laufenden halten lässt.

Der Imagewert der Tour für die Stadt ist unermesslich: Rund hundert Sender (darunter ARD und Eurosport) werden in 190 Ländern weltweit das sportliche Großereignis übertragen, hinzu kommen weit über 2000 akkreditierte Journalisten aus den Bereichen Print, TV, Online und Rundfunk. Markant ist die für die Tour typische Liveberichterstattung, die die Sportbilder mit kulturell-touristischen Impressionen des Streckenverlaufs aufzubereiten weiß. So werden von Motorrad- und vor allem Helikopter-Kameras besondere Orte der Strecke in Szene gesetzt. In  Aachen ein Fall für Medienprofi und Stadtsprecher Bernd Büttgens, der mit seinem Team Empfehlungen an die französische Bildregie und an die ARD weitergereicht hat, die neben der historischen Altstadt mit Dom und Rathaus auch das moderne Aachen, die Wissenschafts- und Hochschulstadt, berücksichtigen, so zum Beispiel das markante SuperC am Templergraben oder den RWTH-Campus.

Eine ganze Stadt rüstet sich für "das" Radsport-Wochenende schlechthin: Sozusagen als Tour-Opening kommt es bereits am Samstag, 1. Juli 2017, zur Neuauflage des Aachener Renn- und Kopfsteinpflaster-Klassikers "Rund um Dom und Rathaus" (organisiert vom RC Zugvogel 09 um Präsident Guido Diefenthal); zudem sind eine Großleinwand auf dem Markt, der Aachener Fahrradtag und weitere Highlights geplant. Das ganze Szenario im Sinne eines großen und bunten Festes rund um den Radsport soll im Rahmen einer Pressekonferenz am 19. Juni 2017 vorgestellt werden.

Bis dahin verbleiben unzählige und immer neue Mosaiksteinchen, die André Schnitker in immer kürzeren Zeitabständen zu einem funktionierenden Gesamtbild zusammenzufügen hat. Er wird das alles wuppen, da sind wir uns hundertprozentig sicher, schließlich hat die kaum größer sein könnende verantwortungsvolle Aufgabe jemanden "getroffen", der angeborenes Organisationstalent wirkungsvoll mit unbändigem Know-how um sportliche Themen zu vereinen weiß. Nicht Lendl, Edberg oder McEnroe; der weitestgehend unbekannte Kevin Curren war der in der eingangs unter mit Sportwissen protzenden Interviewpartnern ;-) gestellten Masterfrage gesuchte Wimbledon-Finalist von 1985. André Schnitker hat's tatsächlich gewusst - als ob es eines Beweises bedurft hätte ...


2. Etappe: Düsseldorf - Aachen - Lüttich

Die zweite Etappe der Tour de France am 2. Juli 2017 wird in Düsseldorf gestartet, führt über Erkrath, Mettmann und Ratingen noch einmal durch die Landeshauptstadt und geht dann weiter über Meerbusch, Neuss, Kaarst, Korschenbroich, Mönchengladbach, den Kreis Düren, Jülich und die Städteregion (Würselen) nach Aachen - und von dort zum Zielort Lüttich. Bereits am 1. Juli 2017 sind die Tour-Profis in Düsseldorf am Start. Dort beginnt "Le Tour '17" mit dem traditionsreichen Zeitfahren als erste Etappe.

Weitere Informationen zur Tour de France 2017 und zum Grand Départ Düsseldorf unter www.letour.fr/de/ oder www.duesseldorf.de/letour.html


"Die Tour de France ist eines der größten Sportereignisse der Welt. Die mediale Aufmerksamkeit und ein allumfassender Medienmix gehen für Aachen mit der einmaligen Chance einher, sich als charmanter und guter Gastgeber zu präsentieren. Wir werden mit unseren schönen, einzigartigen Plätzen und Bauwerken sowie mit begeisterungsfähigen Fans zu punkten wissen. Für die NetAachen ist das Tour-Engagement aus dem Rathaus mitsamt aller beteiligten Organisationen, Verbände und Vereine eine weitere gute Möglichkeit, Spitzensport zum Anfassen in unserer Heimatstadt zu unterstützen."
Andreas Schneider, Geschäftsführer der NetAachen GmbH