NA!? LOS!
Sport
Zurück daheim: Tomáš Kocian (li.) und Sebastian Gevert; im Hintergrund (v.l.n.r.): SWD-powervolleys-Gesellschafter Erich Peterhoff, Heinrich Klocke (Geschäftsführer von Namensgeber Stadtwerke Düren), Sportlicher Leiter Goswin Caro und Cheftrainer Stefan Falter. (Foto: Bernd Born)
NA!? LOS! 18/05/2018

SWD powervolleys: Transfercoup mit Kocian und Gevert lässt sich mit "Dürener Attributen" erklären.

von Bernd Born

Familiär, vertrauensvoll, verlässlich und worttreu - Attribute lassen sich viele auf die Fahne schreiben, weitaus schwieriger fällt es, sie mit Leben zu füllen: Bei den SWD powervolleys Düren scheint das eindrucksvoll und nachhaltig zu gelingen! Zuspieler Tomáš Kocian und Diagonalangreifer Sebastian Gevert kehren vom Deutschen Pokalsieger VfB Friedrichshafen beziehungsweise vom Belgischen Meister Noliko Maaseik an alte Wirkungsstätte zurück. Zwei Top-Verpflichtungen!

Fototermin unmittelbar nach der powervolleys-Pressekonferenz bei den Dürener Stadtwerken - im Mittelpunkt des Interesses: Die beiden Rückkehrer Tomáš Kocian und Sebastian Gevert. (Foto: Bernd Born)
23 Jahre, 1,86 Meter groß: Außenangreifer Irvan Brar möchte die guten Erfahrungen, die man in Düren mit kanadischen Spielern gemacht hat, weiter untermauern.
Tritt bei den powervolleys ein schweres Erbe an: Der Kanadier Jordan Or (25, 1,77 Meter) spielte zuletzt in der zweiten französischen Liga. Sein Fürsprecher könnte jedoch kaum prominenter sein; Libero-Vorgänger Blair Bann hinterließ in Düren eine Empfehlung für seinen Landsmann, der zuweilen "wie ein Ninja" wirke.

Sollte tatsächlich jemand die Möglichkeit in Erwägung gezogen haben, die powervolleys könnten nach den jetzt allesamt feststehenden Abgängen des kanadischen Weltklasse-Liberos Blair Bann, von Zuspieler Stijn D'Hulst, Diagonal-Angreifer Marvin Prolingheuer oder auch Kapitän und Mittelblocker Jaromir Zachrich (Karriereende, wird in anderer Funktion an den Klub gebunden) schweren Zeiten in der Beletage des deutschen Volleyballs entgegensteuern, dem seien allzu große Sorgenfalten direkt mal geglättet. Die sportlich Verantwortlichen des letztjährigen Hauptrunden-Vierten um Goswin Caro (Sportlicher Leiter), Chefcoach Stefan Falter und Gesellschafter Erich Peterhoff haben nämlich unmittelbar nach dem Playoff-Viertelfinal-Aus gegen ein starkes Team der HYPO TIROL AlpenVolleys Haching mit der Zusammenstellung eines neuen, im wahrsten Sinne des Wortes schlagfertigen Kaders für die Spielzeit 2018/2019 begonnen. Und das unter Einbeziehung sämtlicher Möglichkeiten, die die moderne Volleyball-Szene mitsamt stetig fortschreitender Digitalisierungsprozesse so bietet. "Es ist unglaublich, wieviele Spieleragenten sich in den letzten Wochen bei mir gemeldet haben, um mich mit Videomaterial zu versorgen", so Goswin "Ösch" Caro am Rande einer Pressekonferenz, zu der der Klub in die Räumlichkeiten von Hauptsponsor und Namensgeber Stadtwerke Düren eingeladen hatte.

Demnach dürften die Herren Caro, Falter und Peterhoff in letzter Zeit entscheidend mehr als nur desöfteren Kontakt gehabt haben, um alle Möglichkeiten auszuloten. "Maßgeblich war dabei immer die Spieler- beziehungsweise Machbarkeitsliste mit dem jüngsten Datum", spielt Caro auf einen schnelllebigen Transfermarkt an, in dem man stets den Überblick behalten müsse. Dieses Bestreben dürfte als gelungen angesehen werden, denn nach den Vertpflichtungen der beiden Kanadier Jordan Or (Libero) und Irvan Brar (Außenangreifer), beide übrigens mit zusätzlicher Empfehlung von Blair Bann, konnten die powervolleys bei besagter Pressekonferenz mit einem echten Coup aufwarten. Vom Pokalsieger VfB Friedrichshafen wechselt Spielmacher Tomáš Kocian (30) zurück nach Düren, vom belgischen Meister Noliko Maaseik kehrt Hauptangreifer Sebastian Gevert (29) heim. Sie ersetzen Stijn D'Hulst und Marvin Prolingheuer (ein Wechsel ins Ausland steht im Raum), denen Erich Peterhoff ausdrücklich eine hervorragende Spielzeit bescheinigte.

"Wir sind sehr froh und auch stolz, dass es uns gelungen ist, mit Tomáš und Sebastian zwei Spieler zurückzuholen, die bei uns früher schon wichtige Leistungsträger und Publikumslieblinge waren und die sich seitdem noch einmal weiterentwickelt haben", stellte Peterhoff vor allem den guten persönlichen Draht heraus, der nie verloren gegangen sei und auch sämtliche Gespräche, die schließlich in neuen Vertragswerken mündeten, begleitet hätten. Für beide ist die Rückkehr nach Düren auch eine Heimkehr, beide sind mittlerweile in der Rur-Metropole familiär verwurzelt, beide haben in ihren früheren Jahren im Trikot der SWD powervolleys positive Erfahrungen gemacht. "Ich kenne den Verein und die Verantwortlichen gut. Der Kontakt ist nie abgerissen. Wir hatten immer ein Verhältnis voller Wertschätzung. Düren ist für mich jetzt das perfekte Paket, um mein Privatleben mit meinem sportlichen Ehrgeiz zu verbinden", schilderte etwa Kocian einen seiner Beweggründe dafür, dass er nach 2011 und 2014 ein drittes Mal zurückkehrt.


Stimmen aus der Pressekonferenz der SWD powervolleys Düren

Tomáš Kocian: "Als ich vor sieben Jahren als unbekannter Spieler aus der 2. Liga nach Düren gewechselt bin, habe ich viel von meinen erfahrenen Mitspielern gelernt. Jetzt will ich den jüngeren Spielern etwas mitgeben. Mit Stefan habe ich mich bereits zu seinen Co-Trainer-Zeiten hier in Düren blendend verstanden. Was mich am Klub besonders beeindruckt ist, dass er für Werte steht. Auf ein gegebenes Wort kann man sich felsenfest verlassen, dazu ist der Umgang miteinander - da beziehe ich Fans, die zumeist ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter und die Sponsoren, egal ob groß oder klein, gerne mit ein - von einem Höchstmaß an Vertrauen geprägt! Es passt einfach alles zusammen, nicht zuletzt auch durch die vom Klub eingeräumte Möglichkeit, mein Studium in Business Management hier mit meiner Masterarbeit beenden zu können. Sportlich strebe ich eine Platzierung unter den Top 3 an, vielleicht gelingt es mir ja, das Sieger-Gen aus Friedrichshafen ein Stück weit mit nach Düren zu bringen."

Sebastian Gevert: "Nach meinen Stationen in Budějovice und Maaseik komme ich nach Hause (Gevert ist Chilene, Anm. d. Red.). Klub und Team sind für mich wie eine Familie. Tomáš und ich haben zuletzt häufiger darüber gesprochen, dass es uns großen Spaß machen würde, wieder zusammen zu spielen. Dass das jetzt in Düren genau so kommt, freut mich sehr. Gemeinsam werden wir das Höchste anstreben, was hier in Düren zu erreichen ist. Und meiner Meinung nach ist das eine ganze Menge!"

Trainer Stefan Falter: "Ich war am Anfang sogar ein wenig skeptisch, ob es realistisch ist, Tomáš und Sebastian zurückzugewinnen, weil sie sich so stark weiterentwickelt haben. Jetzt freue ich mich einfach, mit solchen Spielern ganz eng zusammenarbeiten zu dürfen. Für die beiden ist jetzt aber zunächst einmal Regeneration angesagt, bevor wir uns dann ab August bestmöglich auf die kommende Saison vorbereiten werden. An unserer Kaderplanung habe ich vor allem geschätzt, dass ein extrem enger und offener Austausch miteinander stattfindet. Das alles ist kein Wunschkonzert eines Einzelnen wie etwa dem Trainer, sondern ein Gesamtkonstrukt aller Involvierten. Dazu gehört allerdings auch, sich mal überzeugen zu lassen oder generell offen zu sein für neue, von der eigenen Wahrnehmung abweichende Impulse. Solche Prozesse bewirken eine Weiterentwicklung, nicht zuletzt auch persönlich."

Sportlicher Leiter Goswin Caro: "Ich hätte ein komplettes russisches oder brasilianisches Team zusammenstellen können, so viele Spieler sind mir von Agenten angeboten worden. Letztendlich zeigt das aber auch, dass wir nicht nur bundesweit, sondern auch auf der europäischen Volleyball-Bühne wahrgenommen werden. Das freut mich enorm. Wir spielen seit über 20 Jahren erstklassig und belegen aktuell Rang 6 der ewigen Tabelle der Volleyball-Bundesliga - meines Erachtens eine bärenstarke Leistung, erst recht für einen Standort wie Düren!"

Gesellschafter Erich Peterhoff: "Wir werden unserer Linie immer treu bleiben, die da besagt, gesund und nachhaltig zu wirtschaften. Wenn wir etwas versprechen, können wir es auch einhalten. Unter diesen Aspekten ist es natürlich umso schöner, zwei Rückkehrer verpflichten zu können, die auch woanders noch auf allerhöchstem Niveau Volleyball spielen könnten. Als Klubverantwortliche werden wir immer einen mehr realistisch geprägten Blick auf die Dinge haben, die sportlichen Ambitionen und Zielsetzungen fallen daher in den Zuständigkeitsbereich von Trainer und Mannschaft. Wir sind uns stets ganz sicher und spüren, dass alle mit der höchsten Motivation zu Werke gehen und den größtmöglichen Erfolg anstreben. Es darf allerdings nie soweit kommen, dass Unzufriedenheit aufkommt, wenn das Team nach einer klasse Saison mal im Viertelfinale gegen einen extrem starken Gegner wie zuletzt die AlpneVolleys ausscheidet. Und ganz bestimmt nicht in Düren! Wir haben immer die gesamte Spielzeit im Blick."