NA!? LOS!
Sport
An der Theke des Schmidter Schützenhofes: Kai Niklaus (li.) und Axel Scheidtweiler haben gemeinsam für die Volleyballer des TuS gespielt; jetzt sind sie als Scout und Co-Trainer wichtige "Backups" für die Arbeit von Cheftrainer Marek Rojko bei den Ladies in Black. Und bevor Fragen aufkommen (schließlich tragen beide ein offizielles Outfit): Axel hat ein Wasser getrunken, Kai eine Cola. (Foto: Bernd Born)
NA!? WER? 14/02/2014

Ladies in Black: Axel Scheidtweiler und Kai Niklaus sind zwei wichtige Rädchen im "System Rojko".

von Bernd Born

Mit dem Heimspiel gegen den amtierenden Deutschen Meister und Pokalsieger Schweriner SC biegen die Ladies in Black am morgigen Samstag (19 Uhr, "Hexenkessel" an der Neuköllner Straße, Tabelle) auf die Hauptrunden-Zielgerade ein. Nach vier Siegen in Folge und nur einer Niederlage aus den letzten acht Spielen ist dem Rojko-Team momentan alles zuzutrauen: Sechs Mannschaften qualifizieren sich auf direktem Wege für die Play-offs, wobei die ersten Vier das Privileg genießen, bei der "Best-of-three"-Entscheidung im Eröffnungsspiel Heimrecht zu haben - und somit auch bei einer eventuell notwendigen dritten Begegnung.

Volle Konzentration auf Schwerin also! Eine Wochenaufgabe, die nicht nur für Karolina Bednarova, Femke Stoltenborg, Laura Weihenmaier & Co. von entscheidender Bedeutung ist, sondern nicht minder wichtig auch zwei jungen Männern eine Menge Trainingsfleiß und ein allumfassendes Videostudium abverlangt: Co-Trainer Axel Scheidtweiler und Scout Kai Niklaus sind so etwas wie die "Eifel-Connection" der Ladies - und als solche wichtige Bezugspersonen für einen in jeder Beziehung akribisch arbeitenden Cheftrainer Marek Rojko.

"Er lebt Volleyball mit jeder Pore seines Körpers" - Co-Trainer Axel Scheidtweiler hört immer ganz genau hin, wenn Chefcoach Marek Rojko in Aktion tritt. (Foto: Andreas Steindl)
Das offizielle Teamfoto der Ladies für die Saison 2013/2014: Axel und Kai (links) zählen neben Cheftrainer Marek Rojko zum Trainer- und Betreuerteam um Physiotherapeutin Kristina Bauch, Physiotherapeut Frank Tresemer und Mannschaftsarzt Dieter Lenzen. (Foto: Andreas Steindl)

"Marek ist ein unglaublicher Taktiker und Volleyball-Verrückter im positivsten Sinne", so Scheidtweiler gleich zu Beginn unseres Gesprächstermins, den NA!? der Einfachheit halber nach Schmidt (Stadt Nideggen), dem Heimatdorf des Assistenztrainers, "vergeben" hat. Der Schützenhof, die Vereinskneipe des ortsansässigen TuS 1911 e.V., ist Scheidtweiler und Niklaus von etlichen "Satz-Verlängerungen" bestens bekannt, schließlich spielten beide gemeinsam für die 1. Volleyball-Herren der Schwarz-Gelben.

Doch der Reihe nach. Wie ist das gemeinschaftliche Engagement bei den Ladies eigentlich zustande gekommen? "Da muss ich zunächst Stefan Falter nennen", holt Axel Scheidtweiler aus: "Unter ihm - er wohnt ja hier in Schmidt - habe ich bereits zwei Jahre als Scout gearbeitet und war somit irgendwie im unmittelbaren Dunstkreis der Bundesliga-Volleyballerinnen." Der Weg war vorgezeichnet. Auf der Suche nach einem passenden Co-Trainer für Marek Rojko war es letzten Endes Karolina Bednarova, die über personelle Umwege Axel als absolut geeigneten Kandidaten ausfindig machte. Es folgte ein intensiver Austausch mit Rojko selbst und Sportdirektor Reinhard Strauch, bei dem sich schnell herauskristallisieren sollte, dass die Chemie stimmt. "Für mich ging es eigentlich nur darum, ob ich den hohen Erwartungen gerecht werden kann", so Scheidtweiler: "Schließlich wusste ich, dass mir mit Marek ein Coach von internationalem Renommee gegenübersaß."

Es passte! Das Vertrauen wurde mit jedem Tag des Austauschs bzw. der eingetüteten Zusammenarbeit größer. So groß, dass man auch bei der Suche nach einem geeigneten Scout auf einen Scheidtweiler-Tipp vertraute. "Ich kenne ja Kai. Für diese Aufgabe kam eigentlich nur er infrage", musste der Schmidter Junge seinen Freund aus dem benachbarten Steckenborn nicht lange überzeugen. Unter Anleitung von Rojko arbeitete sich der 23-jährige Maschinenbau-Student an der RWTH Aachen schnell in die zur Verfügung stehenden Scouting-Programme "Data Volley 2007" und "Data Video 2007" ein und gilt seither als allwissender Verwalter sämtlicher Stärken und Schwächen der Bundesliga-Konkurrenz. Auf einem Server der Deutschen Volleyball Liga (DVL) haben alle Scouts der Fairness halber die eigenen Spiele zu hinterlegen, um die Konkurrenz anschließend für eigene Zwecke "sezieren" zu können.

"An Sonntagen kommen so schon mal schnell zehn Stunden am PC zusammen", berichtet Kai Niklaus und weiß ganz genau, welche Sequenzen Marek Rojko in vorbereitenden Teamsitzungen zusammengeschnitten haben möchte. Da geht es dann um die Beobachtungen der letzten fünf bis sechs Begegnungen. Niklaus: "Jede gegenerische Spielerin steht mit ihren spieltaktischen Eigenschaften und Verhaltensweisen im Fokus, so dass sich unsere Ladies auf einem von Marek vorbereiteten DIN-A4-Blatt eifrig Notizen machen können." Am Spieltag selbst stehen Niklaus und Scheidtweiler per Laptop im ständigen Online-Kontakt, um direkte Erkenntnisse an den Chef weitergeben zu können. "Das ist oftmals aber gar nicht nötig", so Axel Scheidtweiler: "Marek hat eh alles auf dem Schirm!"

Als Energieelektrotechniker bei der Aachener AixControl GmbH (leistungselektronische Systemlösungen) hat der 29-Jährige, der mit Freundin Katja in Köln lebt, einen verständnisvollen Chef, der sein zeitintensives Engagement bei den Ladies - fünf Mal pro Woche ist er bei den volleyballspezifischen Trainingseinheiten für jeweils gut zwei Stunden eingespannt - wohlwollend begleitet. Die Übungszeiten selbst bezeichnet der angehende B-Trainer, der die Erwärmungsphase schon eigenständig leiten darf, als äußerst lehrreich: "Marek will ständig im Fluss bleiben, da ist höchste Aufmerksamkeit gefragt!"

Was man so hört, ist der Headcoach hoch zufrieden mit seinen "Backups". An die Amtssprache Englisch haben sich die Eifeler Jungs längst gewöhnt - ebenso wie an die gemeinsamen Korbballspiele, "bei denen Marek aufgrund seines unbändigen Ehrgeizes und seiner Qualitäten als ehemaliger Nationalspieler unschlagbar ist!" Dass die beiden Meerschweinchen, die Axel für Rojkos Kinder vom elterlichen Schmidter Wildpark nach Aachen bzw. Verlautenheide "verfrachtet" hat, als Siegprämie gedient haben sollen, ist jedoch nicht mehr als ein schönes Gerücht ;-)