NA!? LOS!
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Aufgrund ihrer internationalen Erfahrung schon in jungen Jahren eine verlässliche Führungsspielerin im niederländischen Nationalteam und bei den Ladies in Black Aachen: Femke Stoltenborg.
NA!? LOS! 07/02/2017

Ladies in Black: Exklusiv-Interview mit Femke Stoltenborg - "Ich bin sehr glücklich, hier zu sein!"

von Bernd Born

Eine allerletzte WhatsApp hatten wir noch im Ärmel, vielleicht um sie justament an die nachverpfllichtete und somit neue alte Ladies-Zuspielerin Femke Stoltenborg loszuflitschen. Diesmal jedoch nicht, um unsere gleichnamige Vorstellungsrunden-Rubrik zu veredeln, sondern vielmehr um einen Treffpunkt auszumachen. Die Antwort der 160-fachen niederländischen Nationalspielerin und Olympia-Vierten von Rio 2016 ließ nicht lange auf sich warten und so war das K1 Bistrorant inmitten aller PTSV-Aktivitäten rund um den Eulersweg schnell als ideale Location für ein Exklusiv-Interview im Vorfeld des herannahenden Saison-Endspurts auserkoren.

An der "Selfie-Vorlage" haben wir dann doch festgehalten: Wie zuvor ihre Teamkolleginnen ("What's App, Ladies!?) schickte uns Femke dieses "Selbstporträt".
Die Ladies in Black 2013/2014: An die Bronze-Spielzeit erinnert sich die heute 25-Jährige besonders gerne zurück - "vielleicht die schönste und beste Saison meiner bisherigen Karriere!"
Beim glatten 3:0-Heimsieg gegen Suhl wurde Ladies-Taktgeberin Femke Stoltenborg (Nummer 12) von NetAachen-Geschäftsführer Andreas Schneider mit der goldenen MVP-Medaille (Most Valuable Player) ausgezeichnet.

Femke, nach der Saison 2013/2014 und der damit verbundenen Bronzemedaille, dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte, nun ein zweites Mal "Aachen" - wie fühlt es sich an, wieder in der Stadt zu sein?
Es fühlt sich wirklich gut an, zumal ich behaupten kann, dass die von Dir angesprochene Saison vielleicht die beste und schönste meiner bisherigen Karriere war. Aachen ist für mich seither eine echte Herzensangelegenheit. Ich bin sehr glücklich, dass ich hier sein kann und vor allem wieder regelmäßig Volleyball spielen darf. Die letzten zwei Jahre waren nicht gerade einfach - hier vermittelt man mir das Gefühl, gebraucht zu werden. Und dieses Vertrauen möchte ich unbedingt zurückzahlen: Mit guten Leistungen und sicherlich auch in dem Wissen, in brenzligen Situation vorangehen zu müssen.

Du sprichst es bereits an, Trainerin Saskia van Hintum hat Dir eine klare Führungsrolle zugeteilt. Jetzt bist Du gerade mal 25 Jahre jung - wie kommst Du mit dieser Verantwortung um das sich nach wie vor im Findungsprozess befindliche Team zurecht?
Mir war von Beginn an klar, dass ich in die Pflicht genommen werde, um das Team ein Stück weit 'erwachsener' zu machen. Ein Beispiel: Im Training wird zuweilen viel zu leichtfertig hingenommen, wenn der Ball auf den Boden fällt. Das ärgert mich und das gebe ich meinen Mitspielerinnen - die Hälfte der Mädels kannte ich ja schon vorher - dann auch recht deutlich zu verstehen. Jede Einzelne ist gefordert, das Niveau hoch zu halten, keinen Ball verloren zu geben und in jedem Training das Optimum herauszuholen. Nur so kommen die Ergebnisse, die wir uns alle erhoffen. Klar, gefällt es mir von meinem Naturell auch besser, lieb und nett zu sein, doch Saskia hat mir klar zu verstehen gegeben, dass ich meine internationale Erfahrung voll und ganz einbringen soll. Also mache ich das!

Du hast davon gesprochen, dass die letzten zwei Jahre nicht einfach gewesen seien. Was ist passiert, seitdem Du 2014 aus Aachen weg bist?
Schon mein Wechsel nach Italien stand unter keinem guten Stern. Letztendlich bin ich bei Volley 2002 Forli gelandet. Ich erinnere mich noch ganz genau an die ersten Spiele. Der Trainer konnte kein Englisch, ich kein Italienisch - da stehst Du auf verlorenem Posten. Ich habe dann zwar auf eigene Kosten einen Sprachkurs besucht, dennoch sollte es keine gute Saison werden. Ganz im Gegenteil: Mit nur einem Sieg aus 22 Spielen haben wir die Playoffs in einer starken italienischen Liga deutlich verpasst. Eigentlich war ich dann recht froh, als die Anfrage aus Stuttgart kam und ich nach Deutschland zurück konnte. Leider hatte ich dort zu wenig Spielzeiten, um von einer guten Entwicklung sprechen zu können.

Vor der aktuellen Spielzeit gab es ein Angebot aus der lukrativen russischen Liga ...
Ja, das stimmt. Eigentlich war alles fix, so dass mein Manager Theo Hofland anderen interessierten Klubs absagen musste. Vier Wochen nach Olympia kam dann die Kehrtwende: Man trete vom Vertrag zurück, für eine weitere Zuspielerin sei nun doch kein Geld mehr da. Urplötzlich stand ich auf der Straße, zumal die Kaderplanungen überall abgeschlossen waren.

Eine schwere Zeit ...
Nicht mehr Volleyball spielen zu dürfen, hat mir schwer zugesetzt. So sehr, dass ich versucht habe, mich gezielt abzulenken: Spinning, Boxing, Pilates, mein Psychologie-Studium - all das hat mir geholfen, nicht über Volleyball nachdenken zu müssen. Nach und nach ging es dann aber wieder. Über viermal wöchentliches Training mit dem TalentTeam Papendal Arnhem (gleichzusetzen mit dem niederländischen Juniorinnen-Nationalteam, Anm.d.Red.) entstand über Saskia der Kontakt nach Aachen. Im Spätsommer durfte ich dann als vertragslose Spielerin des öfteren mittrainieren.

Wie lange musstest Du überlegen, als Dir die Ladies in Black Spielbetriebs GmbH im Dezember einen unterschriftsreifen Vertrag bis zum Saisonende vorlegen konnte?
Aachen, die Trainerin, fünf niederländische Mitspielerin - ich musste überhaupt nicht überlegen! Ich bin dem Klub sehr dankbar, dass er mir wieder die Möglichkeit gegeben hat, Volleyball auf einem Top-Niveau in der deutschen Bundesliga zu spielen.

Deine bisherigen Auslandserfahrungen - von Deutschland und Aachen mal abgesehen - lassen sich wohl eher der Kategorie "suboptimal" zuordnen. Inwiefern beeinflussen solche Erkenntnisse Deine weitere Karriereplanung?
Das hat schon Einfluss. In Deutschland ist alles top organisiert, das Gehalt kommt pünktlich und man muss nicht nur darauf hoffen, dass Versprechnungen auch wirklich eingehalten werden. Speziell auch hier in Aachen: Alles ist klein und familiär, aber absolut verlässlich. Die Menschen sind mit einer greifbaren Freude bei der Sache - das gibt uns Spielerinnen ein tolles Gefühl. Wir können uns komplett auf unseren Sport fokussieren.

Wenn man Dich so reden hört, könnte man denken, dass einer Vertragsverlängerung nichts im Wege steht ...
Ehrlich, darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Ich bin im Moment einfach nur glücklich, hier zu sein und wieder Volleyball spielen zu können. Was nach der Saison kommt, werde ich beizeiten mit Theo besprechen. Klar möchte ich prüfen, wie hoch es für mich hinaus gehen kann. Das steht aber alles noch in den Sternen. Aber ja, Aachen ist sicherlich auch eine Option - erst recht wenn die Ambitionen hier mitwachsen.

Wo siehst Du konkrete Verbesserungsmöglichkeiten?
Wie gesagt, alle im Klub geben ihr Bestes, um die Professionalisierung voranzutreiben. So gerne ich auch in unserem 'Hexenkessel' an der Neuköllner Straße spiele, in Bezug auf die Spiel- und vor allem Trainingsmöglichkeiten ist sicherlich noch reichlich Luft nach oben. Wenn der Ball im Training nach einer überragenden Abwehraktion wieder die tief hängende Hallendecke berührt, dann nervt mich das einfach, weil wir solche Situationen nie richtig zu Ende trainieren können. Ein weiterer Schritt in die richtige Richtung wäre sicherlich auch eine kleine Kaderanpassung, so dass stets spielnahe 6-gegen-6-Situationen im Training möglich wären.

Was ist mit dem Team aktuell und eventuell auch über die Saison hinaus noch möglich?
Wir haben im Angriff ein Riesenpotenzial, müssen uns aber im Hinblick auf die Playoff-Spiele noch in der Abwehr und Annahme verbessern. Die Trainingsfortschritte sind allerdings unverkennbar - das Spiel ist schneller und variabler geworden, es stellen sich viele Fragen, die es noch vor Wochen gar nicht gegeben hätte.

Du kennst Saskia van Hintum ja schon als Co-Trainerin aus dem niederländischen Nationalteam ...
Die Kombination aus absolutem Volleyball-Sachverstand und der menschlichen Komponente ist sehr selten - Saskia weiß beide Merkmale richtig gut zu vereinen. Sie bringt alle zusammen und weiß, was wichtig ist. Das gilt nicht nur für uns Spielerinnen, sondern betrifft oftmals auch das ganze Umfeld.

Was ist noch drin im Endspurt? Mit vier Siegen (bei zwei Niederlagen) liest sich die jüngste Bilanz seit Jahresbeginn ja durchaus vielversprechend ...
Dennoch, wir stehen im Hinblick auf die Playoffs ganz einfach in der falschen Tabellenhälfte (nach dem jüngsten 1:3 in Vilsbiburg beträgt der Abstand zu Platz 6 - Direktqualifikation für die Playoffs - bei einem mehr ausgetragenen Spiel schon 7 Punkte, Anm.d.Red.). Doch egal ob Pre-Playoffs oder Playoffs - diese Spiele bieten uns die Gelegenheit, auf den Punkt da zu sein. Und wenn wir dann auf ein Team aus den Top-Four treffen, müssen wir einfach unser bestes Volleyball zeigen, um einer Überraschung so nah wie nur eben möglich zu kommen. Also: Bloß nicht kleiner machen als wir sind!

Wikipedia: Femke Stoltenborg
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