NA!? LOS!
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Gregory Wathelet siegt im (Aachener) Stechen - auf der Stute Coree verwies der Belgier am Sonntag die für Portugal startende Brasilianerin Luciana Diniz mit Fit For Fun und den Niederländer Marc Houtzager mit Calimero auf die Plätze. Nächste Station: Calgary, wo der 36-Jährige am 10. September beim Spruce Meadows 'Masters' 2017 um den zweiten Majorsieg in Folge reiten wird. (Foto: Rolex Grand Prix of Showjumping/Kit Houghton)
NA!? LOS! 24/07/2017

CHIO: Belgier Gregory Wathelet auf Coree und mit "500 Prozent" in die Hale of Fame des Springreitsports.

von Rolex Grand Prix of Showjumping, CHIO Aachen und Bernd Born

An die 40.000 Zuschauer waren am Sonntag live dabei, als beim CHIO Aachen 2017 Sportgeschichte geschrieben wurde: Über zwei Umläufe mit anschließendem Stechen um den "Rolex Grand Prix, Großer Preis von Aachen" konnte sich Gregory Wathelet im Sattel von Coree gegen die geballte Weltspitze des Springsports durchsetzen und die erste Jahresetappe des Rolex Grand Slam of Show Jumping gewinnen. Damit feierte der 36-jährige Belgier den ersten Majorsieg seiner Karriere.

Der perfekte Tag, um in die Aachener Hale of Fame "einzureiten": Im Stechen legten Gregory Wathelet und Coree einen beieindruckenden Alles-oder-nichts-Ritt hin.

Zwei Umläufe, ein Stechen, ein Ziel: Der Rolex Grand Prix von Aachen. Vier Reiter hatten es in den Showdown geschafft. Für Parcoursdesigner Frank Rothenberger war der Moment zum Feiern schon gekommen, noch ehe das wichtigste Springen des Wochenendes entschieden war. "Ich war froh, dass ein Stechen zustande gekommen ist, nicht wie im letzten Jahr", so der erfahrene Aufbauer. Im vergangenen Jahr war Philipp Weishaupt nämlich als einziger Reiter zweimal ohne Abwurf durch die Umläufe gekommen;  eine dritte Runde gegen die Uhr hatte sich erledigt. Das sollte in diesem Jahr anders sein. Drei bis vier Reiter wollte Rothenberger im Stechen haben. Der Plan ging auf, es wurden vier: Marc Houtzager (NED) mit Sterrehof's Calimero, Luciana Diniz (POR) auf Fit For Fun, Gregory Wathelet (BEL) im Sattel von Coree und Laura Kraut (USA) auf Zeremonie.

Marc Houtzager und der erst zehnjährige KWPN-Wallach Calimero v. Quidam de Revel eröffneten das Stechen. Es sah ein bisschen aus wie eine Springpferdeprüfung, was die beiden da ablieferten. Die Taktik war es offenbar, fehlerfrei zu bleiben. Das gelang. In Bilderbuchmanier, aber definitiv zu schlagenden 53,66 Sekunden galoppierten die beiden über die Ziellinie.

Luciana Diniz und ihre zierliche Hannoveraner Stute Fit For Fun v. For Pleasure betraten die Soers in aller Seelenruhe im Schritt am hingegebenen Zügel. Stechen? Heute eher nicht. Zumindest sah das für Außenstehende so aus. In Wahrheit hat das System: "Das ist der Moment, in dem wir zu Ruhe und zu unserer Kraft finden", erklärte Diniz später. In der Mitte des Stadions angekommen, nahm die für Portugal startende Brasilianerin die Zügel auf. Fit For Fun spitzte die Ohren, war sofort auf Sendung. Und segelte förmlich über die Hindernisse. Man hatte den Eindruck, der kleinen Stute müssten Flügel wachsen, um die Hindernisse zu überwinden. In einer engen Wendung auf den Mercedes-Benz-Oxer rutschte sie einmal weg, ein kollektives "Oh!" aus 40.000 Mündern. Aber Fit For Fun rettete sich über den massiven Sprung ohne in die Nähe der Stangen zu kommen und nahm sofort wieder Fahrt auf. Fehlerfrei, 47,40 Sekunden. Eine super Zeit!

Gregory Wathelet wusste: Alles oder nichts! Oder wie er später zu Protokoll gab: "Hier in Aachen reicht es nicht, 100 Prozent zu geben, hier müssen es 500 Prozent sein!" Und 500 Prozent gab nicht nur er, sondern auch seine Stute. Beide wollten unbedingt gewinnen. Seit 2014 sind Wathelet und die elfjährige Westfälin Coree v. Cornet Obolensky ein Team. Schon "zwei- oder dreimal" waren sie fehlerfrei in Großen Preisen. Aber zum ganz großen Wurf hatte es bis dato noch nicht gereicht. Dass Coree jedoch alle Möglichkeiten hat, das weiß Wathelet: "Wenn sie so ist wie heute, kann sie alles springen. Das Gefühl war super. Ich hatte eine gute Anlehnung und gute Kontrolle. Sie wurde heute von Runde zu Runde besser, gewann an Selbstvertrauen." Und so galoppierten sie zum entscheidenden Stechen an. Wathelet ging volles Risiko, nahm die Wendungen so eng, wie der Boden es nur zuließ und Coree gab alles. Als die beiden über das letzte Hindernis segelten, den Rolex-Oxer, stoppte die Uhr bei 46,60 Sekunden. Führung! Jubel! Aber noch war die Entscheidung nicht gefallen.

Eine Reiterin war da noch, die Wathelet den Sieg hätte streitig machen können: Laura Kraut auf der Holsteiner Cero-Tochter Zeremonie. Die beiden gaben sich die größte Mühe, aber um Wathelet einzuholen, reichte die Zeit einfach nicht. Und dann fiel am letzten Hindernis auch noch eine Stange. Platz vier. Und der Sieg für Gregory Wathelet. Endlich! 2015 feierte er bei den Europameisterschaften in der Soers mit der Silbermedaille seinen größten Einzelerfolg. Und nun ist er der nächste Anwärter auf den Rolex Grand Slam. Wobei, davon wollte der sympathische Belgier erst einmal nichts wissen: "Jetzt genieße ich erst einmal diesen Erfolg! Und heute Abend unternehme ich etwas zusammen mit meinem Team. Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen, damit, dass ich nun dort auf dieser Tafel stehen werde. Nur, da wird lediglich mein Name stehen. Aber dahinter steht ein ganzes Team und natürlich mein fantastisches Pferd." Zwar reitet Gregory Wathelet Coree erst seit 2014. Aber er kennt sie schon wesentlich länger: "Ich habe die Stute schon beobachtet, seit sie sechs-, siebenjährig ist. Damals gehörte sie dem Haras de Hus, für das ich andere Pferde geritten habe. Der Plan war, sie achtjährig zu übernehmen." So wurde es gemacht. Allerdings war immer klar, dass die Stute eines Tages verkauft werden sollte. Wathelet erkannte, was für ein Juwel er da unter dem Sattel hatte. Und in Judith Gölkel fand er eine Mäzenin, die ihm die Stute kaufte. Eine Weitsicht, die sich für beide Seiten bezahlt gemacht hat.

Wer drei Majors direkt hintereinander gewinnt, gewinnt den Rolex Grand Slam of Show Jumping und eine Million Euro zusätzlich zum Preisgeld. Daher heißt es für Gregory Wathelet nun: Voller Fokus auf Calgary, wo er am 10. September beim Spruce Meadows 'Masters' 2017 um den zweiten Majorsieg in Folge reiten wird. Der Tag ist gleichzeitig Wathelets 37. Geburtstag ...