NA!? LOS!
Sport
Wiederholten ihren Vorjahreserfolg beim Turkish-Airlines-Preis von Europa: Der Kanadier Eric Lamaze auf Fine Lady. Nun wollen Pferd und Reiter, Bronzemedaillengewinner der Olympischen Spiele "Rio 2016", auch beim "Rolex Grand Prix, Großer Preis von Aachen" für Furore sorgen. (Foto: Rolex Grand Prix of Showjumping/Kit Houghton)
NA!? LOS! 20/07/2017

CHIO: Sturm, Starkregen, Blitz und Donner - Eric Lamaze und Fine Lady bleiben unbeeindruckt.

von Rolex Grand Prix of Show Jumping, CHIO Aachen und Bernd Born

Die erste Bewährungsprobe des CHIO Aachen 2017 ist vorüber und genauso wie 2016 ging der Sieg im Turkish-Airlines-Preis von Europa, der ersten Qualifikation für den "Rolex Grand Prix, Großer Preis von aachen" am Sonntag, an den Kanadier Eric Lamaze und Fine Lady. Das Paar verwies im Stechen Ludger Beerbaum aus Deutschland im Sattel von Chiara und den Iren Bertram Allen mit Molly Malone auf die Plätze.

Wenn Kanadas Eric Lamaze und die ebenso kleine wie flinke Hannoveraner Stute Fine Lady im Stechen sind, muss die Konkurrenz sich warm anziehen. So auch am Mittwoch, als die beiden ihren Erfolg im Turkish-Airlines-Preis von Europa vom Vorjahr wiederholten. Und das unter Ausnahmebedingungen beim CHIO Aachen. Unwetterwarnungen, plötzlich einsetzender Sturm und Starkregen, begleitet von Blitz und Donner, sorgten dafür, dass alle Prüfungen unterbrochen werden mussten. Trotzdem schafften es 20 Paare ins Stechen. Und damit 19 Paare, die versuchten, den Vorjahressiegern Eric Lamaze und Fine Lady keinen zweiten Sieg bei diesem ersten CHIO-Aachen-Highlight zu überlassen. Vergeblich. Auch 2017 läuteten die Bronzemedaillengewinner der Olympischen Spiele 2016 ihr Turnier mit einem Sieg ein. Lamaze und Fine Lady erreichten das Ziel nach 42,97 Sekunden - eine Zeit, die zu schlagen ist, wie Spaniens Sergio Alvarez Moya und Arrayan zeigten, die nach 42,27 Sekunden durch die Lichtschranke galoppierten. Allerdings nahmen sie unterwegs eine Stange mit.

Das passierte Fine Lady nicht. Die kleine Stute wächst scheinbar in jedem Springen über sich selbst hinaus. Wo andere mit großem Galoppsprung Zeit gewinnen oder manchmal eben auch verlieren, macht sie mit ihrer Wendigkeit Sekunden gut. Im vergangenen Jahr hatte Eric Lamaze aus Rücksicht auf die anstehenden Olympischen Spiele auf einen Start im Rolex Grand Prix verzichtet. In diesem Jahr nimmt er Kurs auf das Sonntags-Highlight: "Der Plan war, dass ich sie, wenn sie heute gut geht, am Sonntag im Grand Prix reite." Und "gut gegangen" ist sie ja!

"Es war nicht einfach heute", betonte der zweitplatzierte Ludger Beerbaum. Er selbst hatte Glück. Bei seinen Starts auf der Holsteiner Stute Chiara blieb das Wetter zahm. Da hatten andere Kollegen größeres Pech: "Der Himmel war ja schon die ganze Zeit schwarz. Das macht den Pferden Angst. Und dann die Geräusche der Hufe nach dem Regen auf dem durchnässten Boden. Besonders für die jüngeren Pferde ist das schwierig. Wären die äußeren Bedingungen besser gewesen, hätten wir zwei, drei Nuller mehr gehabt." Allerdings betonte Beerbaum auch, dass das Bestmögliche getan wurde, um Pferde, Reiter und Zuschauer zu schützen. Ludger Beerbaum und den Sieger trennte fast eine Sekunde.

Hauchdünn war hingegen der Abstand zum drittplatzierten Iren Bertram Allen auf Molly Malone V. Lediglich eine hundertstel Sekunde trennte die beiden voneinander - nicht einmal ein Wimpernschlag, der in diesem Fall 5000 Euro wert war. Ärgern konnte sich Allen darüber aber nicht. Er habe es schlichtweg gar nicht groß realisiert. Sein Lob galt seinem Pferd, der 13-jährigen Kannan-Tochter, der er schon so manchen Sieg zu verdanken hat - auch bei Witterungsbedingungen wie den heutigen. 20 Paare im Stechen - auch das warf Fragen auf. Die Erklärung von Eric Lamaze leuchtete ein: "Es war das Eröffnungsspringen für die Major-Prüfungen, also war zu erwarten, dass es schwierig werden würde. Aber hier starten die besten Reiter der Welt, daher gibt es immer einige Null-Fehler-Ritte. Es ist schwierig für Frank (Rothenberger, Anm. d. Red.), einen Parcours zu bauen, mit dem er genau die richtige Anzahl fehlerfreier Ritte bekommt. Es war ein fairer Kurs."

Auch der aktuelle Grand-Slam-Herausforderer Pedro Veniss konnte sich mit seinem Top-Pferd Quabri de l'Isle bei seiner Premiere auf Aachener Boden für das Stechen qualifizieren. Dort unterliefen dem Paar jedoch zwei Abwürfe, so dass sie die Prüfung auf Rang 18 beendeten. Eine Platzierung, die dem Brasilianer bereits gute Chancen auf einen Startplatz beim Rolex Grand Prix eingebracht hat, denn die besten 40 Reiter aus den drei Qualifikationen erhalten ein Finalticket. Doch noch ist nichts entschieden, erst nach der dritten und letzten Qualifikation am Freitagnachmittag steht fest, welche Paare im Majorfinale an den Start gehen dürfen.

Die nächste Qualifikation für den mit einer Million Euro dotierten "Rolex Grand Prix, Großer Preis von Aachen" ist der Mercedes-Benz Nationenpreis am heutigen Donnerstagabend ab 19.30 Uhr unter Flutlicht, bei dem sich die 18 top-platzierten Reiter direkt ein Finalticket sichern. Die letzte Möglichkeit, den Sprung ins Majorfinale zu schaffen, ist der Preis von Nordrhein-Westfalen am frühen Freitagnachmittag ab 12.45 Uhr.

Der Grand-Slam-Sieger von 2015 Scott Brash verzichtete übrigens auf den Start in der ersten Qualifikation. Als Sieger des Spruce Meadows 'Masters' 2016 hat der Brite in Aachen nämlich nicht nur Chancen auf den Bonus für zwei Majorsiege innerhalb eines Grand-Slam-Zyklus, er ist mit Stute Ursula XII außerdem bereits vorqualifiziert für den Rolex Grand Prix.