Na!? Klar!
Kommunikationstechnik
Flexibil ins neue Jahr: Die städtische Pressekonferenz zum NetAachen-Ausbauvorhaben in Sief, Schmithof, Friesenrath und Hahn mutierte am frühen Montagnachmittag kurzerhand zur Bürgerinfo. Der erweiterte Breitbandausbau im Aachener Süden bewegt die Bürger; nicht zuletzt ablesbar an 300 Unterschriften, die der Verwaltung im Sommer 2016 mit der Forderung nach zeitgemäßem schnellen Internet auch für die entlegenen Ortschaften im Aachener Süden vorgelegt wurden. (Fotos: Bernd Born)
NA!? KLAR! 02/01/2017

Trenching: Ausbauzusage für Sief, Schmithof, Friesenrath und Hahn - NetAachen legt im Süden nach!

von Bernd Born

Neues Jahr, neues (Ausbau-)Glück! Auch in 2017 setzt die NetAachen unvermindert auf die Schaffung von breitbandigen Infrastrukturen in ihrem Versorgungsgebiet. Der "Ready-for-service"-Startschuss für den Aachener Süden mit Kornelimünster, Walheim, Lichtenbusch, Oberforstbach, Schleckheim, Nütheim, Krauthausen und Eich ist noch nicht ganz verhallt, da legt der regionale Telekommunikationsanbieter noch einmal wirkungsvoll nach.

Stand im Schmithofer Pfarrheim gut eine Stunde Rede und Antwort: NetAachen-Geschäftsführer Andreas Schneider, der sozusagen mit offenen Armen empfangen wurde.
NetAachen legt im Süden nach: Die zunächst für "wirtschaftlich nicht abbildbar" deklarierten Gebiete Sief, Schmithof, Friesenrath und Hahn werden nun doch ans eigene Glasfasernetz angeschlossen, um bis zum Jahresende mit durch Vectoring gestützten Surfgeschwindigkeiten von bis zu 100 Mbit/s aufwarten zu können.
Der Begriff Trenching (auf gut Deutsch Grabenaushub) beschreibt das Verlegen von Mikrorohren für Glasfaserleitungen. Mittels Frästechnik werden schmale Gräben und Schlitze in Böden und Asphalt eingebracht.

Die zunächst für "wirtschaftlich nicht abbildbar" deklarierten Gebiete Sief, Schmithof, Friesenrath und Hahn werden nun doch ans eigene Glasfasernetz angeschlossen, um bis zum Jahresende mit durch Vectoring gestützten Surfgeschwindigkeiten von bis zu 100 Mbit/s aufwarten zu können.

Der Nachschlag für den Aachener Süden in Richtung Vennvorland beziehungsweise das Umdenken in Bezug auf die Machbarkeit lässt sich mit nur einem Wort erklären: Trenching. Das innovative Verfahren zur Verlegung von Glasfaserkabeln in Straßen und Wegen hat sich beim in enger Kooperation mit der Stadt Aachen als Wegebaulastträger koordinierten Pilotprojekt "Grüne Eiche" (Frühjahr 2016) als extrem zügig und vor allem kosteneffizient erwiesen und sich somit für die vier weiteren Ortschaften des Stadtbezirks Kornelimünster/Walheim regelrecht angeboten.

Normalerweise kommen beim Breitbandausbau Bagger und Spaten zum Einsatz - beim Mini-Trenching (so die offizielle Bezeichnung) sieht das anders aus; die Glasfaserkabel werden relativ nah unter der Oberfläche in einer kleinen Nut verlegt. Zunächst wird dazu mit einer Asphaltfräse ein schmaler Schlitz in die Straße gefräst. Dieser ist gerade mal 10 Zentimeter breit und ca. 40 Zentimeter tief. Täglich schafft die Fräsmaschine so eine Strecke von bis zu 800 Metern. "Für ein vergleichbares Pensum würden wir in konventioneller Bauweise bis zu sechs Wochen benötigen", weiß Michael Gayer, Technischer Leiter der NetAachen. Nach dem Fräsen wird ein Leerrohrverbund  mit einem Gesamtdurchmesser von ca. 44 Millimetern in den Schlitz gelegt, durch den später die Glasfaserkabel gezogen werden. Dann kann die Nut auch schon wieder verschlossen werden. Dafür wird ein Betonmischer eingesetzt, der den Schlitz mit Flüssigboden ausfüllt; einem speziellen Verfüll-Material, das schon nach kurzer Zeit ausgehärtet ist. "Bereits nach zwei Tagen kann mit dem Wiedereinbau der Asphaltschicht begonnen werden", so Gayer, für den sich der Trenching-Probelauf "Grüne Eiche" vollauf bewährt hat: "Die Bauarbeiten verlaufen deutlich schneller und sind auf eine viel kleinere Fläche begrenzt."

"Die täglichen Anwendungen erfordern immer höhere Bandbreiten", erklärt Andreas Schneider, Geschäftsführer der NetAachen: "Surfgeschwindigkeiten von 50 bis zu 100 Mbit/s sind vor allem für Familien ein klarer Vorteil, wenn internetfähige Endgeräte häufig gleichzeitig genutzt werden." Die innerstädtische Versorgung mit Lichtwellenleitern konnte unlängst abgeschlossen werden. FTTB (Fibre to the Building) nennt sich die dabei genutzte Technik, bei der Glasfaserkabel durch eine gas- und wasserdichte Hauseinführung mit nur 40 Millimeter Durchmesser bis in die einzelnen Gebäude hinein verlegt werden.

Die flächendeckende Anbindung der gesamten Region ans schnelle Internet ist jedoch nicht minder dringend. Daher liegt der NetAachen-Fokus im ersten Step auf der Schaffung einer FTTC-Infrastruktur (Fibre to the Curb). Dabei werden Glasfaserkabel bis zum Kabelverzweiger (KVz) am Straßenrand verlegt, um die Signale von dort auf die bereits unter der Erde liegenden und bis in alle Gebäudekeller hineinreichenden Kupferkabel zu übertragen.

Für das neue Ausbaugebiet Sief/Schmithof/Friesenrath/Hahn sind acht neue NetAachen-DSLAM-Gehäuse (Digital Subscriber Line Access Multiplexer, DSL-Zugangskonzentratoren - Umsetzung von Lichtwellenleitern auf Kupfer) notwendig, um diese mit den bereits vorhandenen zehn Kabelverzweigern der Telekom zu verbinden. Insgesamt werden 18 Kilometer Glasfaserkabel verlegt, zu einem nicht unerheblichen Teil in bereits vorhandene Leerrohre. Durch diese Anbindung ans Glasfasernetz werden die bestehenden Telekom-Kupferstrecken (die sogenannten letzten Meilen) zu 1325 möglichen Privatkunden und noch einmal 50 Gewerbeeinheiten erheblich verkürzt.

Jene Kupferkabel waren bis dato das Nadelöhr in der Datenübertragung. Das hat sich geändert - dank Vectoring, was man vereinfacht als Turbo für die Kupferleitung erklären könnte. Die einzelnen Adern in einem Kupferkabel haben die negative Eigenschaft, bei der Datenübertragung elektromagnetische Wellen abzustrahlen, die sich gegenseitig stören und die Datengeschwindigkeit verringern.

Beim Vectoring werden spezielle Kleinstcomputer in die Kabelverzweiger eingebaut. Diese messen die Störsignale und korrigieren sie in Echtzeit. So können trotz Kupferkabel Bandbreiten bis zu 100 Mbit/s erreicht werden. "Die Erschließung der Kabelverzweiger in Kombination mit dem Einsatz von Vectoring ist die derzeit schnellste und kostengünstigste Art, um Highspeed-Internet flächendeckend in der Region auszubauen", so Andreas Schneider zum im zweiten Quartal 2017 anlaufenden Eigenausbau-Projekt Sief/Schmithof/Friesenrath/Hahn mit einem Investitionsvolumen in Höhe von einer halben Million Euro: "Zugleich haben wir so eine optimale Grundlage geschaffen, um zukünftig, wenn wir bei einem Bandbreitenbedarf im Gigabit-Bereich angekommen sind, die Glasfaser in einem zweiten Step vom Kabelverzweiger bis in jedes einzelne Haus hinein zu verlegen.“

Weitere Informationen zum Trenchingverfahren (inklusive 2:38-Minuten-Filmchen) gibts hier ...NA!? KLAR!: NetAachen erprobt innovatives Trenchingverfahren