Na!? Klar!
Kommunikationstechnik
Federführend bei den Migrationsprozessen rund um die Abschaltung des in die Jahre gekommenen ATM-Zentralknotens: Stefan Keuken (rechts) und Daniel Rechenburg als Leiter des Service-Teams. (Foto: Bernd Born)
NA!? KLAR! 11/10/2017

Qualitätsmanagement: Prozess der Migration beinhaltet auch das Abstoßen eines veralteten Netzes.

von Bernd Born

Klick - einfach so. NA!? war live dabei, als Stefan Keuken und Daniel Rechenburg in einem Technikraum der NetAachen auf dem STAWAG-Gelände in der Lombardenstraße einen Zentralknoten abgeschaltet haben. Die beiden haben bitte was? Ja, richtig gelesen, abgeschaltet - das alte, vor nunmehr 14 Jahren installierte ATM-Netz (Asynchronous Transfer Mode - ein Kommunikationsprotokoll, welches sich für die Übertragung von Daten, Sprache und Video eignet, Anm. d. Red.) war schlichtweg in die Jahre gekommen, was sich auch in der zunehmend schwierigeren Beschaffung von Austausch- oder Ersatzhardware auf dem regulären Markt bemerkbar machte.

Als regionaler Anbieter für den Wirtschaftsraum Aachen-Düren-Heinsberg versorgt die NetAachen rund 47.000 Telekommunikationskunden und über 16.000 Kunden für TV-Kabelnetzdienste mit schnellen Verbindungen. Über 12.000 Kilometer Glasfaserleitungen wurden zu diesem Zweck bereits in die Erde verlegt. An dieses Glasfasernetz sind schon heute 140.000 Haushalte mit Bandbreiten von bis zu 400 Mbit/s angeschlossen. Allein in 2016 hat NetAachen über vier Millionen Euro in den Netzbau investiert.

Doch keine Sorge: Im Vorfeld der von höchster (Unternehmens-)Stelle anvisierten und dann auch angeordneten Außerbetriebnahme konnten alle sich noch auf der nicht mehr zeitgemäßen Technikplattform "bewegenden" Kunden auf zukunftsträchtige Netze migriert werden - der einst so bedeutende ATM-Zentralknoten mit dem Kennungszusatz "XP140 HD" war somit nach dem Klotz-am-Bein-Prinzip zur Abkoppelung freigegeben.

Migration - ein Thema, das bei der NetAachen omnipräsent bleibt. Der stetige technische Wandel erfordert gerade von einem Full-Service-Anbieter in Sachen Telekommunikation, die dahinterstehende Technologie, betriebliche Strukturen, Arbeitsmodelle und Verfahrensweisen immer wieder aufs Neue auf ihre Effizienz hin zu überprüfen Und dazu gehört nun mal auch das Abschalten beziehungsweise Abstoßen veralteter Technik.

Stefan Keuken ist bei der NetAachen dem Stab der Geschäftsleitung zuzuordnen, mit den Schwerpunkten Qualität, Prozesse und Projektmanagement - für Technikinteressierte (über das allgemeinverständliche Maß hinaus) haken wir gerne noch mal nach ...

Besagtes ATM-Netz, zu welchem Zweck wurde es seinerzeit gebaut?
Seinerzeit lässt sich mit 2003, dem Jahr der ersten Inbetriebnahme, beziffern. Das Netz stammt also noch aus Zeiten der accom GmbH & Co. KG, dem Vorgängerunternehmen der NetAachen (seit 1. April 2009, Anm. d. Red.). Es diente unter anderem der Anbindung von Schulen, Kindergärten, Kindertagesstätten und verschiedenen Ämtern der Stadt Aachen zur Versorgung mit Telefonie und nach damaligem Standard 'schnellem' Internet.

Wir drehen die Uhr zurück: Was war kennzeichnend für die nunmehr veraltete Technik?
Im Gegensatz zur neuen Netztechnik, die auf der Logik des Internet Protocol (IP)  basiert, war die jetzt deaktivierte Telefonie- und ISDN-Technik eine leitungsvermittelnde Technik. Während sich über die heute modernen IP-Netze einzelne Datenpakete über den gerade schnellstmöglichen Weg zum Empfänger aufmachen, wurden beim sogenannten TDM-Standard (Zeitmultiplexverfahren, TDM für Time Division Multiplex; Anm. d. Red.) für Sender und Empfänger bestimmte Zeitschlitze auf der Datenstrecke reserviert. Das garantierte dem Empfänger zwar einen exklusiven Kontakt zum Senderdatensatz, drosselte die Übertragungsgeschwindigkeit der Daten aber enorm. ATM wirkte da wie ein kleiner Turbo. So ließ sich die Leitungsnutzung unter anderem dadurch erhöhen, dass man nicht genutzte Kanäle mit anderen Datenpaketen füllte.

Jetzt hat das alte ATM-Netz ausgedient, ist abgeschaltet ...
Der gesamte Telekommunikationsmarkt vollzieht schon lange den Technologiewechsel hin zu schnellen, paketvermittelten Netzen. Das hat natürlich auch zur Folge, dass die Hersteller der Alttechniken ihre Weiterentwicklungen und Produktionen eingestellt haben, um sich selbst ausschließlich den neuen Standards zu widmen. Jetzt sind alle Kunden auf Neutechnologie migriert, das Abschalten des ATM-Netzes war somit die logische Konsequenz und der Schlusspunkt eines alternativlosen Prozesses.

Stichwort Migration - der technische Wandel erfordert demnach ständige Anpassungsprozesse ...
Ja, exakt. Für die gesamte leitungsvermittelnde Technik und insbesondere für ATM gilt: Sie stirbt aus, weil der gesamte Markt auf Innovationen durch paketvermittelnde Netze setzt. Das Weiterbetreiben von Alttechniken ist somit mit immer höher werdenden Risiken verbunden. NetAachen führt bereits seit mehreren Jahren ein konsequentes Migrationsprogramm durch, um die Kunden von der Alttechnik weg auf neue, zukunftsträchtige Plattformen zu bringen. Das machen wir übrigens im stetigen Konsens mit dem jeweiligen Kunden, was je nach Kundengröße und -struktur mit intensiver Projektarbeit und einer nachhaltigen Begleitung einhergeht.

Welchen Vorteil hat der Kunde von den neuen Netzen?
Bandbreite! Heutige, glasfaserbasierte Bandbreiten von bis zu 400 Mbit/s schon für ganz normal ans Netz angeschlossene Privatkunden waren zur Zeit der TDM-Technologie undenkbar. Der ein oder andere erinnert sich vielleicht noch an die Startzeiten des Internets, als über sogenannte Modems die Telefonleitungen mit Pfeiftonkonzerten dazu benutzt wurden, Computer mit einem Bruchteil der heutigen Geschwindigkeiten ins weltweite Netz zu bekommen. Durch das neue Übertragungsprotokoll 'IP' wird zudem das Zusammenwachsen von klassischer Telefonie mit Computern stark forciert. So stehen heutigen Telefonieapplikationen neue Funktionsspektren zur Verfügung, von denen man seinerzeit nicht mal zu träumen gewagt hat.

Letzte Frage: Was bedeutet die Abschaltung denn "persönlich" für die NetAachen?
Da bleibt natürlich ein klitzekleiner Wermutstropfen, denn wir haben einen kompletten Cluster unseres bestehenden Netzes außer Betrieb genommen. Es überwiegt aber die Freude, in den mühseligen und manchmal nur zähen Fortschritten der Migration komplexer Anschlussverschaltungen einen wichtigen Meilenstein erreicht zu haben. Das verschafft zunehmend Luft, uns durch die frei werdenden Ressourcen noch intensiver den neuen Technologien zuwenden zu können.