Na!? Klar!
Kommunikationstechnik
Die NetAachen läutet das Vectoring-Zeitalter ein: Ab Sommer wird man so Bandbreiten von bis zu 100 Mbit/s unter anderem in den FTTC-Gebieten Brand, Verlautenheide, Würselen, Linnich oder Boscheln (Stadtteil von Übach-Palenberg) anbieten können. (Foto: Bernd Born)
NA!? KLAR! 20/03/2015

Netzausbau: Mit Vectoring wird den alten Kupferkabel-Reststücken der 100 Mbit/s-Turbo "zugeschaltet".

von Bernd Born

Es liegt in der Natur der Sache: Need for Speed, das Verlangen nach Geschwindigkeit, prägt im "übertragenen Sinn" auch das Unternehmensleitbild der NetAachen. "Die täglichen Anwendungen erfordern immer höhere Bandbreiten", erklärt Geschäftsführer Andreas Schneider: "Daher setzen wir im Hinblick auf eine zukunftssichere Kommunikationstechnologie auf den konsequenten Ausbau unserer Glasinfrastruktur."

Der Breitbandausbau in Brand ist komplett abgeschlossen und "ready for service" (v.li.): Bezirksamtsleiter Wolfgang Sanders, NetAachen-Geschäftsführer Andreas Schneider und Bezirksbürgermeister Peter Tillmanns. (Foto: Alfred Reuters)

Die innerstädtische Versorgung mit Lichtwellenleitern, derzeit im Frankenberger Viertel, schreitet kontinuierlich voran. FTTB (Fibre to the Building) nennt sich die dabei genutzte Technik, bei der Glasfaserkabel durch eine gas- und wasserdichte Hauseinführung mit nur 40 Millimeter Durchmesser bis in die einzelnen Gebäude hinein verlegt werden.

Die flächendeckende Anbindung der gesamten Region ans schnelle Internet ist jedoch nicht minder dringend. Daher liegt der NetAachen-Fokus im ersten Step auf der Erweiterung der sogenannten FTTC-Infrastruktur (Fibre to the Curb). Dabei werden Glasfaserkabel bis zum Kabelverzweiger (KVz) am Straßenrand verlegt, um die Signale von dort auf die bereits unter der Erde liegenden und bis in alle Gebäudekeller hineinreichenden Kupferkabel zu übertragen.

Jene Kupferkabel waren bis dato das Nadelöhr in der Datenübetragung. Das wird jetzt anders - dank Vectoring, was man vereinfacht als Turbo für die Kupferleitung erklären könnte. NA!? hat in den eigenen (Techniker-)Reihen nachgefragt und eine noch griffigere Erläuterung an die Hand bekommen: Die einzelnen Adern in einem Kupferkabel haben die negative Eigenschaft, bei der Datenübertragung elektromagnetische Wellen abzustrahlen, die sich gegenseitig stören und die Datengeschwindigkeit verringern. Beim Vectoring werden spezielle Kleinstcomputer in grauen Schaltkästen (Kabelverzweiger) am Straßenrand eingebaut. Diese messen die Störsignale und korrigieren sie in Echtzeit. So können trotz Kupferkabel Bandbreiten bis zu 100 Mbit/s erreicht werden.

"Die Erschließung der Kabelverzweiger in Kombination mit dem Einsatz von Vectoring ist die derzeit schnellste und kostengünstigste Art, um Highspeed-Internet flächendeckend in der Region auszubauen", so Andreas Schneider: "Zugleich haben wir so eine optimale Grundlage geschaffen, um zukünftig, wenn wir bei einem Bandbreitenbedarf im Gigabit-Bereich angekommen sind, die Glasfaser in einem zweiten Step vom Kabelverzweiger bis in jeden einzelnen Keller hinein zu verlegen."

Bestes Beispiel: Brand. Das FTTC-Gebiet ist "versorgungsbereit"; die ersten Anwohner surfen bereits mit Geschwindigkeiten von bis zu 50 Mbit/s. "Wir wissen aber, dass andere noch darauf gewartet haben, dass wir auch ihre Straße an unser Netz anbinden. Das ist jetzt möglich", hat Andreas Schneider aber noch eine weitere gute Nachricht in petto: "Ab dem Sommer werden über besagtes Vectoring sogar bis zu 100 Mbit/s anbieten können - und das nicht nur in Brand, sondern auch in Verlautenheide, Linnich, Boscheln (Übach-Palenberg) und last but not least Würselen, wo das schnelle Internet mittels FTTC-Verfahren nach Ostern an den Start gehen kann."