Na!? Klar!
Kommunikationstechnik
Wussten sämtliche Klippen beim Anschluss des kaiserstädtischen Wahrzeichens ans innerstädtische Glasfasernetz zu umschiffen: Dombaumeister Helmut Maintz (li.) und Andreas Bücken, Leiter Key Account bei der NetAachen. (Fotos: Bernd Born)
NA!? KLAR! 08/10/2014

Glasfaserausbau: Dom am Netz - NetAachen sorgt für den "schnellen und direkten Draht" zum lieben Gott.

von Bernd Born

Der Aachener Dom hat unzählige Alleinstellungsmerkmale. So dürfen die Hüter des Weltkulturerbes mit berechtigtem Stolz darauf verweisen, vor nunmehr 36 Jahren als erste deutsche Kulturstätte Aufnahme in die honorige UNESCO-Liste (engl. United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization; Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur) gefunden zu haben.

Durch den Verzicht auf die postalische Anschrift "Domhof 1" machte das Internationale Katholische Missionswerk "missio" e.V. (jetzt Domhof 1a) erst den Weg zum Glasfaseranschluss des altehrwürdigen Doms frei.
FTTB (Fibre to the Building) nennt sich die Technik, bei der Glasfaserkabel durch eine gas- und wasserdichte Hauseinführung mit nur 40 mm Durchmesser bis in die einzelnen Gebäude hinein verlegt werden. Helmut Maintz zeigt's: Beim Dom-Projekt erfolgte der Zugang in den Heizungskeller über die Krämerstraße.
Kaiser Karl der Große machte Aachen um 800 zum Mittelpunkt seines europäischen Reiches. Hier wandelte er den väterlichen Königshof in eine Pfalz vom Range einer Reichsresidenz um. Unbestrittener Mittelpunkt: die Marienkirche (in anderem Zusammenhang auch Pfalzkapelle, Stiftskirche, Münster genannt), der heutige Aachener Dom - hier als malerische Kulisse beim jüngsten NetAachen-Domspringen auf dem Katschhof. (Foto: Andreas Steindl)
Die UNESCO verleiht den Titel Welterbe an Stätten, die aufgrund ihrer Einzigartigkeit, Authentizität und Integrität weltbedeutend sind. Der Aachener Dom fand bereits 1978 Aufnahme in den honorigen Index und erfüllt alle fünf Kriterien: Ein Meisterwerk menschlicher Schöpferkraft mit herausragender architektonischer Bedeutung und kultureller Tradition, das einen bedeutsamen Abschnitt der Menschheitsgeschichte abbildet und in einem besonderen kulturhistorischen Kontext steht.

Auf eine weitere Besonderheit sind wir eher beiläufig im Rahmen unserer Recherchen zum innerstädtischen Glasfaserausbau gestoßen. Man glaubt es kaum: Das hiesige Münster hat einen eigenen "Hausanschluss" zur Nutzung des superschnellen Internets von NetAachen, der "direkte Draht" zum lieben Gott mit Datenübertragungs-Geschwindigkeiten von mehr als 100 Mbit/s.

"Dabei war der Dom zunächst gar nicht vorgesehen", erinnert sich Andreas Bücken, Leiter Vertrieb Key Account, an einen Anruf aus dem Domkapitel zurück: "Helmut Maintz hatte die Tiefbauarbeiten im anliegenden Suermondtviertel verfolgt, um uns im Zuge dessen vom generellen Interesse 'seines' Gotteshauses zu unterrichten." Ein Spezialauftrag seitens des Dombaumeisters, für den man allzu gerne bereit war, einige Umwege in Kauf zu nehmen. Der technische beziehungsweise bauliche Machbarkeits-Check war dabei noch das kleinste Problem. "Wir haben den Trassenverlauf unseres Glasfasernetzes etwas angepasst und um zehn bis 15 Meter erweitert, damit wir den Dom über die Krämerstraße zusätzlich mit anschließen konnten", so Ralf Jopen, Projektleiter für den FTTB-Ausbau (engl. Fibre to the Building) in der Innenstadt.

Hört sich zunächst relativ unproblematisch an, hätte sich da nicht kurzerhand noch eine bürokratische Hürde in den Weg gestellt. "Dem Dom fehlte nunmal die Hausnummer", lässt sich Andreas Bücken exklusiv für NA!? entlocken, um gemeinsam mit Ralf Jopen aus dem "NetAachen-Nähkästchen" zu plaudern: "Für unsere FTTB-Datenbank und die im letzten Schritt zu unterzeichnende Grundstückseigentümererklärung, sozusagen das offizielle Einverständnis für den Anschluss des Gebäudes ans Glasfasernetz, sind wir aber unausweichlich an eine vollständige postalische Adresse gebunden."

Was nicht ist, kann aber ja (noch) werden! Die Stadt Aachen und das Internationale Katholische Missionswerk "missio" e.V. spielten mit und schanzten dem kaiserstädtischen Wahrzeichen die ihm gebührende Anschrift "Domhof 1" zu; die ursprüngliche "missio-1" ziert jetzt ein "a" als schmückendes Beiwerk. "Das ist wirklich recht zügig über die Bühne gegangen", konnte Andreas Bücken letztendlich grünes Licht für die Verlegung des Glasfaserkabels bis in den Heizungskeller des Domes geben.

Seitdem verfügt die beliebteste Sehenswürdigkeit der Stadt mit täglich bis zu 7000 Besuchern über einen eigenen Zubringer zur Datenautobahn. Klar, die Dominformation und die gegenüberliegende Domschatzkammer (u.a. Ticketing) profitieren mit davon, Daten seit etwas über einem Jahr in Lichtgeschwindigkeit verarbeiten zu können - vorrangig nennt Helmut Maintz aber zwei weitere Aspekte, die ihn dazu bewogen haben, Kontakt mit der NetAachen aufzunehmen. Da ist zum einen die dann ohne große Satellitenschüsseln zu realisierende Möglichkeit, Messfeiern via dem Kölner "domradio.de", dem ersten kirchlichen Rundfunksender in Deutschland, in alle Welt übertragen zu können, zum anderen bestand die absolute Notwendigkeit, das Raumklima des Doms mittels einer Standleitung professionell überwachen zu lassen. "Da vertrauen wir voll und ganz auf die Spezialisten von Mahr Heizung und Klimatechnik hier aus Aachen", so der 55-jährige Bauingenieur: "Eine speziell entwickelte Regeltechnik stellt nicht nur den wirtschaftlichen und schonenden Heizbetrieb sicher, sondern sorgt auch dafür, dass die bis zu 1200 Jahre alte Bausubstanz und die wertvollen Einrichtungsschätze keinen Schaden nehmen." Die CO2-Konzentration und die Luftfeuchtigkeit seien da wichtige Messwerte. "Bei einer relativen Luftfeuchte unter 40 Prozent drohen Malereischichten abzuplatzen, geht es über 75 Prozent fängt Holz an zu quillen", hat der im Jahr 2000 ernannte Dombaumeister, der seit 2001 auch einen Lehrauftrag an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen inne hat, auch ein konkretes Beispiel zur Hand.

Der Aachener Dom am Netz - wie sagt man doch so schön: Der liebe Gott sieht und hört alles! Glasklar sogar ;-)