Na!? Klar!
Kommunikationstechnik
Packen alle gemeinsam an, um 16 von 17 Alsdorfer Ortsteilen ans Glasfasernetz anzubinden: Bürgermeister Alfred Sonders (re.) und NetAachen-Geschäftsführer Andreas Schneider (Mitte) mit Christian Hartrampf (Geschäftsführer der EUREGIO Verkehrsschiennetz GmbH, li.), Stephan Hunze (technischer Prokurist der enwor - energie und wasser vor ort GmbH, Zweiter v.li.) und Manfred Schröder, Geschäftsführer der EWV Energie- und Wasser-Versorgung GmbH. (Foto: Bernd Born)
NA!? KLAR! 21/09/2015

FTTC-Ausbau: Schulterschluss von vier regionalen Unternehmen für schnelles Internet in Alsdorf.

von Bernd Born

Die möglichst flächendeckende Anbindung der gesamten (Städte)Region ans schnelle Internet nimmt weiter Fahrt auf: Nach Würselen (NA!? berichtete) wird jetzt auch die nördlich gelegene Nachbargemeinde Alsdorf ans Glasfasernetz angeschlossen. Eine Ausbaukooperation des regionalen Telekommunikationsdienstleisters NetAachen mit der enwor (energie & wasser vor ort GmbH), der Energie- und Wasser-Versorgung GmbH (EWV) beziehungsweise der 100-prozentigen Tochter regionetz GmbH und der EUREGIO Verkehrsschienennetz GmbH (EVS) ist letztendlich ausschlaggebend dafür, dass rasend schnelle Up- und Downloadraten in der ehemaligen Bergbaustadt nicht länger ein Wunschdenken bleiben müssen. Bis voraussichtlich Ende 2016 möchte man rund 18.000 Privathaushalte und 400 Firmen mittels des sogenannten FTTC-Verfahrens (engl. Fibre to the Curb, Glasfaser an den Randstein; in die Nähe des Teilnehmers) erreichen.

Das schnelle Internet kommt nach Alsdorf. In Ofden möchte man den reinen Netzausbau bereits im November bewekstelligt haben, so dass die NetAachen anschließend in einer Zeitspanne von vier bis sechs Wochen die aktive 100 Mbit/s-Technik scharf schalten und "ready for service" vermelden kann.

Bei der Vorstellung des gemeinschaftlichen Vorhabens für die Stadtteile Alsdorf-Mitte, Broicher Siedlung, Kellersberg, Mariadorf, Neuweiler, Ofden, Schleibach, Schaufenberg, Begau, Bettendorf, Blumenrath, Busch, Hoengen, Siedlung Ost, Warden und Zopp freute sich vor allem Bürgermeister Alfred Sonders über die damit "verbundenen" glänzenden Perspektiven für seine Kommune. "Dass wir in Alsdorf fast flächendeckend leistungsstarke Internetanbindungen erhalten, ist ein großer Schritt. Gerade Firmen, aber auch Bürgerinnen und Bürger benötigen im digitalen Zeitalter einen schnellen Zugang ins Internet", so der Verwaltungschef: "Wir danken unseren Kooperationspartnern dafür, dass sie das sozusagen im Schulterschluss ermöglichen."

"Die täglichen Anwendungen erfordern immer höhere Bandbreiten", erklärt Andreas Schneider, Geschäftsführer der NetAachen: "Daher setzen wir im Hinblick auf eine zukunftssichere Kommunikationstechnologie auf den konsequenten Ausbau unserer Glasinfrastruktur." Von den eigenen Backbone-Übergabepunkten, dem Basisnetz, werden dazu insgesamt 127 neue DSLAM-Gehäuse (Digital Subscriber Line Access Multiplexer; DSL-Zugangskonzentratoren - Umsetzung von Lichtwellenleitern auf Kupfer) angeschlossen, um diese mit den bereits vorhandenen 148 Kabelverzweigern (KVz) der Telekom zu verbinden. Durch diese Anbindung ans Glasfasernetz werden die bestehenden Telekom-Kupferstrecken zu den Alsdorfer Privathaushalten und Gewerbetreibenden erheblich verkürzt - über VDSL (Very High Speed Digital Subscriber Line) sind dann Datenübertragungsraten erzielbar, die den jetzigen Standard um ein Vielfaches übertreffen.

Doch damit nicht genug der guten Nachrichten: Die Stadt Alsdorf wird auch vom neuartigen Vectoring-Verfahren profitieren. Ein zusätzlicher Prozessor, der in die den Kabelverzweigern vorgeschalteten NetAachen-DSLAM-Gehäusen integriert wird, korrigiert Störsignale zwischen den Leitungen auf der letzten Kupfermeile in Echtzeit. Durch ein entsprechendes Gegensignal können die Daten deutlich schneller übertragen werden - das finale Stück Kupferlandstraße mutiert zur Datenautobahn. So können Bandbreiten bis zu 100 Mbit/s erreicht werden. Auch der Upload bringt dann eine deutliche Verbesserung von 10 Mbit/s auf bis zu 40 Mbit/s mit sich.

Die Rollen sind klar verteilt, im Rahmen des Gemeinschaftsprojekts arbeiten die Partner Hand in Hand: Während die enwor für den Ausbau und den Unterhalt des Glasfasernetzes (passive Netzinfrastruktur) sorgt, betreibt NetAachen mit einem geschätzten Investitionsvolumen von 1,8 Millionen Euro die aktive Systemtechnik und ist als Telekommunikationsanbieter der Ansprechpartner für die Kunden.

"Mit dem Bau von Glasfasernetzen und Glasfaserhausanschlüssen für den schnellen Datentransport schaffen wir eine zukunftsorientierte Infrastruktur für private, gewerbliche, industrielle und öffentliche Einsatzgebiete in der Region", so Stephan Hunze, technischer Prokurist der enwor: "Auch für Alsdorf setzen wir auf die bestens bewährte Partnerschaft mit NetAachen, die es sicher wieder ermöglicht, den engen Zeitplan perfekt einzuhalten. Den Umfang der Tiefbauarbeiten werden wir verhältnismäßig gering halten können. Damit gibt es wenig Behinderung im öffentlichen Verkehrsraum. Von etwa 42 Kilometern Glasfaserkabel müssen wir nur etwa 15 Kilometer neu in Gräben verlegen. Für 13 Kilometer stehen enwor eigene vorhandene Leerrohre zur Verfügung, für weitere 14 Kilometer können wir Infrastruktur der EWV/regionetz und der EVS nutzen." 

Bei der Ausbaukooperation mit dem offiziellen Namen "Bereitstellung breitbandiger Telekommunikationsanschlüsse auf der Basis von Glasfaser auf dem Gebiet der Stadt Alsdorf" sind zudem die Energie- und Wasser-Versorgung GmbH (EWV) und die EUREGIO Verkehrsschienennetz GmbH (EVS) mit im Boot. "Der Breitband-Ausbau ist eine wichtige Voraussetzung für das wirtschaftliche Wachstum in unserer Region", weiß EWV-Geschäftsführer Manfred Schröder: "Gerne stellen wir hierfür unsere Infrastruktur in Form von Leerrohren und Faserpaaren zur Verfügung. Wir freuen uns, Teil dieser Kooperation zu sein, um gemeinsam und über Unternehmensgrenzen hinaus dafür zu sorgen, dass noch mehr Menschen in Alsdorf auf eine schnelle Internetverbindung zugreifen können."

Der Part der EUREGIO Verkehrsschienennetz GmbH ist ganz ähnlich gelagert. "Die neben den Bahntrassen verlaufenden Kabel- und Betonschächte zur Anbindung der elektronischen Stellwerke beziehungsweise für unsere Signaltechnik eignen sich hervorragend dazu, auch hochleistungsfähige Glasfaserkabel aufzunehmen und vor äußeren Umwelteinflüssen optimal zu schützen", so Geschäftsführer Christian Hartrampf. Der Breitbandausbau in Alsdorf bietet sich somit als weiteres Paradebeispiel dafür an, dass - so hat es Städteregionsrat Helmut Etschenberg zuletzt beim Ready-for-service-Startschuss in Würselen formuliert  - „das Zusammenbringen kommunaler Unternehmen immer zu einer nachhaltigen Stärkung der Region führt.“

Zum Auftakt plant NetAachen zwei Informationsveranstaltungen für interessierte Bürgerinnen und Bürger - am morgigen Dienstag, 22. September 2015, im Haus Ofden (Theodor-Seipp-Straße 46) in Alsdorf-Ofden und am Dienstag, 29. September 2015, in der Siedler-Klause (Michaelstraße 19) in Alsdorf-Begau. Beginn ist jeweils um 19 Uhr.