Na!? Klar!
Kommunikationstechnik
NA!? KLAR! 30/01/2019

Ein Stück Fernsehgeschichte geht zu Ende: Wir haben die TV-Digital-Umstellung in Szene gesetzt

von Hannah Hoffmann

Kennen Sie ihn noch, den legendären "Fernsehabend" von Loriot, alias Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow, seinerzeit einer der begnadetsten Humoristen der deutschen Fernsehlandschaft?

Mit der Abschaltung der analogen TV- und Radio-Kanäle geht heute, am 30. Januar 2019 ein weiteres Stück Fernsehgeschichte zu Ende - und kaum einer scheint es so richtig zu bemerken. Denn das gute alte Fernsehkabel nutzen mittlerweile nur noch wenige Zuschauerinnen und Zuschauer, alle anderen Empfangsmöglichkeiten über Satellit oder Antenne sind bereits digitalisiert. Die Bundesländer Bayern, Bremen und Sachsen haben die Umschaltung auf digitale Programme sogar bis Ende 2018 vorgeschrieben. Den überwiegenden Teil der Bevölkerung juckt das wenig. Schließlich bietet das Digital-TV zwei große Vorteile: Eine größere Auswahl an Programmen und eine deutlich bessere Empfangsqualität - HD und UHD lassen grüßen.

Wir haben es uns zum Anliegen gemacht, zwei Stücke deutscher Fernsehgeschichte in einem Sketch zusammenzuführen. Früher war zwar nicht unbedingt alles besser, aber alles hatte einmal ein "früher", an das sich der Eine oder Andere sicher gerne zurückerinnert ...

Der Digitale Fernsehabend

Personen: Ein Ehepaar (oder eine andere lebenspartnerschaftliche Gemeinschaft)
Kulisse: Ein Wohnzimmer mit einem alten Röhrenfernseher (Ohne DVB-C-Anschluss) 

Sie:    "Wieso werden denn ausgerechnet heute die Fernsehprogramme auf digital umgeschaltet?"

Er:    "Die bauen die Geräte absichtlich so, dass sie irgendwann nicht mehr mit dem Zeitgeist mitgehen können"

Sie:    "Ich muss nicht unbedingt Fernsehen."

Er:    "Ich auch nicht. Nicht nur, weil NetAachen heute auf die digitale TV-Versorgung umstellt. Ich meine sowieso, ich sehe sowieso nicht gerne Fernsehen."

Sie:    "Es ist ja auch wirklich NICHTS im Fernsehen, was man gern sehen möchte."

Er:    "Heute brauchen wir, Gott sein Dank, überhaupt nicht erst in den blöden Kasten zu gucken."

Sie:    "Nee, es sieht aber so aus, als ob du hinguckst."

Er:    "Ich?"

Sie:    "Ja."

Er:    "Nein, ich sehe nur ganz allgemein in diese Richtung. Aber du guckst hin. Du guckst da immer hin."

Sie:    "Ich? Ich gucke dahin? Wie kommst du denn darauf?"

Er:    "Es sieht so aus."

Sie:    "Das kann gar nicht so aussehen, ich gucke nämlich vorbei. Ich gucke absichtlich vorbei. Und wenn du ein kleines bisschen mehr auf mich achten würdest, hättest du bemerkt, dass ich absichtlich vorbei gucke. Aber du interessierst dich ja überhaupt nicht für mich."

Er:    "Jajajaja."

Sie:    "Wir können doch einfach mal ganz woanders hingucken."

M:    "Woanders? Wohin denn?"

Sie:    "Zur Seite, oder nach hinten.

M:    "Nach hinten? Ich soll nach hinten sehen? Nur weil wir keinen Fernseher mit DVB-C-Anschluss oder SCART-Schnittstelle haben, soll ich nach hinten sehen? Ich lass mir doch von einem alten Röhrenfernseher nicht vorschreiben, wo ich hinsehen soll."

Sie:    "Was wäre denn heute für ein Programm gewesen?"

M:    "Die Lokalzeit Aachen

Sie:    "Ach."

M:    "Es ist schon eine Unverschämtheit, was einem so Abend für Abend im Fernsehen geboten wird. Ich weiß gar nicht, warum man sich das überhaupt noch ansieht. Lesen könnte man stattdessen, Karten spielen oder ins Kino gehen oder ins Theater. Stattdessen sitzt man da und glotzt auf dieses blöde Fernsehprogramm."

Sie:    "Heute empfangen wir ja nun nichts mehr."

M:    "Gott sei Dank."

Sie:    "Ja."

M:    "Da kann man sich wenigstens mal unterhalten."

Sie:    "Oder früh ins Bett gehen."

M:    "Ich gehe nach den Lokalzeit ins Bett."

Sie:    "Aber die gibt es doch nur noch digital."

Er:    "Ich lasse mir von dieser neumodischen Digitalisierung doch nicht vorschreiben, wann ich ins Bett zu gehen habe!"

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Quelle Originaltext: www.unterhaltungsspiele.com