Na!? Fein!
Küche, Spezialitäten, Garten ...
Klassische Theke verbunden mit regionaler Küche: Silvia Frankenne (links), neue Pächterin der Aachener Traditionsgastronomie "Im alten Zollhaus", weiß ein eingespieltes Team hinter sich; frisch auf den Tisch: Das Sahneschnitzel, der "Renner" aus der "Brauhaus-Küche".
NA!? FEIN! 03/05/2018

Öcher Leckermöffelche: "Zollhaus-Renaissance" bei Silvia Frankenne in den allerbesten Händen.

von Bernd Born

Wir haben mal gegoogelt. Wenn eine Ahnung also tatsächlich ein vages Gefühl von einem bevorstehenden Ereignis ist, dann waren wir vor unserem nachfeierabendlichen Besuch in einer via Lesertipp wärmstens ans Herz gelegten "Leckermöffelche-Location" in unmittelbarer Marschiertor-Nähe völlig ahnungslos. Sich das einzugestehen, braucht nicht viel Mut. Ganz im Gegenteil. Eine gewisse Neutralität schärft den Blick fürs Detail, um sich - wir nehmen's vorweg - in letzter Konsequenz mit superleckeren Argumenten restlos und vor allem nachhaltig überzeugen zu lassen!

Aachen, Friedlandstraße 22: Im alten Zollhaus - vor der Eingemeindung Burtscheids am 1. April 1897 war der Name Gesetz. Auch die neue Geschäftsführerin hat sich in jüngster Zeit verstärkt auf Spurensuche begeben.
Schnappschuss kurz vor der Wiedereröffnung: Neu-Pächterin und -Geschäftsführerin Silvia Frankenne bei einem Päuschchen im neu strukturierten Kaffee-Eckchen.
Der urige Stil, für den das Alte Zollhaus seit jerher bekannt ist, gilt als unantastbar - dennoch hat Silvia Frankenne einige Ideen für "sich nahtlos einfügende frische Einflüsse".
15 Biere vom Fass - keine Frage, ein weiteres gutes Zollhaus-Argument, das für sich spricht.

Also nichts wie rein in die "gute Stube", ein geflügeltes Wort wie gemacht für das Traditionslokal "Im alten Zollhaus" in der Friedlandstraße 22. Wir sind mit Pächterin und Geschäftsführerin Silvia Frankenne verabredet und erfahren eher beiläufig, dass der Zeitpunkt für das hier folgende, in Wort und Bild festgehaltene "NA!?-FEIN!-Appetithäppchen" kaum besser gewählt hätte sein können. Das traditionelle Speiselokal mit imposanter Theke erlebt nämlich gerade eine Art Renaissance, wohlgemerkt unter Einbehaltung unverrückbarer Alleinstellungsmerkmale, die das altehrwürdige, in holzvertäfelter Optik daherkommende Wirtshaus längst als lohnende Anlaufstelle mit guter Küche und gepflegter Thekenkultur stadtbekannt gemacht haben. "Den Brauhaus-Charakter gilt es unter allen Umständen zu wahren", erzählt uns Silvia Frankenne, die die Aachener Gastro-Institution im Februar wiedereröffnet hat, um ergänzend nur so vor neuen Ideen in punkto frisch angehauchter Einflüsse zu strotzen.

Zurück ins Hier und Jetzt: Wir werden richtig nett empfangen und wissen im weiteren Verlauf eines angeregt-heiteren Gespräches die sich für uns genommene Zeit umso mehr zu schätzen, als dass der "Laden" nur ein knappes Stündchen nach unserer Ankunft richtig zu brummen beginnt - um 18.30 Uhr an einem ganz normalen Dienstagabend! Was auffällt: Das Reservierungsbuch liegt bereit, die Gäste werden herzlich willkommen geheißen und die Chefin ist stets im Bilde. Sollte improvisiert werden müssen, geschieht das nahezu unbemerkt, weil äußerst charmant moderiert.

Überhaupt glaubt man Silvia Frankenne jedes Wort, wenn sie von ihrer Passion für die ihr von Geburt aus in die (Vaalserquartier') Wiege gelegte Gastronomie im Allgemeinen und über Herzblut im Speziellen spricht, das es sich für das Alte Zollhaus, die Stammkundschaft und "hoffentlich viele neue Gäste" zu investieren lohne. Die gelernte Fremdsprachenkorrespondentin, Betriebswirtin sowie Event- und Marketing-Managerin weiß wovon sie spricht, schließlich datieren ihre Anfänge im Traditionshaus "Friedlandstraße 22" aus dem Jahr 2012. Nach dem recht kurzfristigen Rückzug von "So-lange-man-denken-kann"-Vorpächter Dirk Deutz reifte schnell die Entscheidung, neu durchzustarten - und das mit allem, was dazugehört: Von der Erfüllung sämtlicher Auflagen im Hinblick auf die Neukonzessionierung, über notwendig gewordene Modernisierungen (Thekenkühlung, Bierkeller, Küche) bis hin zur Aufstellung eines inklusive Aushilfen 20 Kräfte umfassenden Teams, das das "Zollhaus-Gefühl" bestens gelaunt und hoch motiviert an die Gäste weiterzugeben weiß.

Wir nähern uns dem eigentlichen Grund unserer Stippvisite, dem Leckermöffelche-Tipp aus unserer NA!?-Leserschaft. Wir sprechen, um im Zollhaus-Sprachjargon zu bleiben, vom "Renner", dem Sahneschnitzel mittelscharf mit frischen Pommes und Salat für 14,50 Euro. Im Handumdrehen steht es auch schon da - und was sollen wir sagen? Ein einwandfrei gebratenes Schweineschnitzel mit wellig goldbrauner Kruste (da, wo sie zum Vorschein kommt ;-)) und einem Sößchen zum Niederknien; genau so muss das - soweit wir das beurteilen können und dürfen. Volltreffer, mehr "empfehlenswert" ist nun wirklich nicht drin.

Überhaupt scheint die üppige, auf regionale Produkte vertrauende Speisekarte zu jeglichen Anlässen (Catering mit Cooking-Station inklusive) und für jeden Geschmack ins Schwarze zu treffen. Unserem Chef, dem wir mit unserem "Nach-Feierabend-Schnitzel" natürlich eine lange Nase gemacht haben, schwärmt von den Spareribs à la Zollhaus; weitere Empfehlungen der Küchen-Crew sind etwa die französische Zwiebelsuppe, das Schnitzel Cordon bleu, das Original-Wiener vom Kalb mit lauwarmem Kartoffelsalat, Pizzen, Salate und nicht zu vergessen auch vegetarische oder vegane Gerichte.

"Unser Rezeptbuch ist ein gut gehütetes Geheimnis", zwinkert uns Silvia Frankenne zu, die vorlebend und somit sinnbildlich für das enge Zusammenspiel zwischen Küche und Service steht. Was wir auf keinen Fall unerwähnt lassen dürfen: Im alten Zollhaus gibt es allein 15 Biere vom Fass (!), wobei wir zum Sahneschnitzel zu einem Leffe Blonde oder auch Leffe Brune raten dürfen. :-)

Wir schließen mit einer wahren Begebenheit, die allemal als Schlussfazit taugt: Bei der Zusammenstellung des Leckermöffelche-Bildmaterials hat uns doch tatsächlich ein in die NA!?-Redaktion hereinplatzender, net(t)er Kollege aus den Socken gehauen, der das Sahneschnitzel-Foto auf dem Desktop quasi im Vorbeigehen zuzuordnen wusste: "Na, warste im Zollhaus?"

Liebe Silvia, besser geht's doch nicht, oder? Wir sind uns sicher, dass Aachens Traditionsgastronomie bei Dir in den allerbesten Händen ist. Wir kommen wieder, ganz sicher, schließlich sind wir ja noch irgendwie auf ein hausgemachtes (aber vergessenes) Tiramisu "verabredet" ... ;-)

Im alten Zollhaus - das Traditionslokal am Marschiertor seit 1876
Inhaberin/Pächterin: Silvia Frankenne
160 Plätze + Außengastronomie
Friedlandstraße 22-24, 52064 Aachen, Telefon 0241 404050
Öffnungszeiten: montags bis samstags von 17 - 0 Uhr (Küche von 18 - 22.45 Uhr), sonn- und feiertags von 17 - 23 Uhr (Küche von 17.30 - 22.30 Uhr)

www.im-alten-zollhaus.de
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