Na!? Fein!
Küche, Spezialitäten, Garten ...
Wirklich net(t)e Leute, diese Lamberts': Angelika und Walter bei der Bestückung des hofeigenen Spargelautomats auf Gut Paffenholz. Es kann auch schon mal vorkommen, dass sich Kunden nachts um 2 Uhr mit dem Frischeprodukt aus Würselen eindecken. (Fotos: Bernd Born)
NA!? FEIN! 07/04/2017

Öcher Leckermöffelche: Frischen Lamberts-Qualitätsspargel gibt's auch im gekühlten 24/7-Automaten.

von Bernd Born

Zugegeben, ein echtes Öcher Leckermöffelche für unsere NA!?-FEIN!-Rubrik haben wir schon länger nicht mehr "ausgegraben". Wir geloben Besserung und nehmen das mit dem Ausgraben allzu wörtlich. Die Spargelsaison ist eröffnet - herzlich willkommen auf dem gleichnamigen Hof der Familie Lamberts in Würselen.

Sortiert wird nach Umfang. Ein Laser scannt den Spargel und teilt die Stangen in dünne, mittlere und dicke ein. Bis zu 10.000 Stangen pro Stunde. Sortiert wird aber auch nach optischen Gesichtpunkten. "Zum Beispiel auch, wenn der Spargel rostig ist, diese braunen Flecken hat", so Walter Lamberts: "Wenn man ihn aber schält, ist der Rost weg und dann ist der Spargel genauso lecker!" Grünen Spargel sollte man übrigens so wenig wie möglich schälen - wenn, dann nur im unteren Drittel.
Nach Einlegegurken, Erdbeeren und Kürbissen rückte 1987, also vor ziemlich genau 30 Jahren, der Spargel in den Fokus und belegt seitdem rund 12 Hektar der zum Hof gehörenden Gesamtfläche. "Wir haben hier unter jeder Spargelreihe zwei Heizleitungen liegen, die von der Abwärme der Biogasanlage gespeist werden", so Walter Lamberts. Der Vorteil: Dadurch kann die Ernte früher beginnen und der Spargelbauer kann das Wachstum besser steuern.
24 Stunden rund um die Uhr und gut abgeschirmt: ...
... der Spargelautomat auf Gut Paffenholz. Und wer es nicht passend hat - das Ding gibt sogar das passende Wechselgeld raus.

Eine Spargel-Story im Fahrt aufnehmenden Frühling zu platzieren, ist nicht wirklich Pulitzerpreis-verdächtig. Erst vor Wochenfrist, so erzählt uns Hausherr Walter Lamberts, sei das Belgische Rundfunk- und Fernsehzentrum der Deutschsprachigen Gemeinschaft (BRF, www.brf.be) für einen "sehr gelungenen" Filmbeitrag da gewesen. Und auch sonst hat sich der heimische Blätterwald das Thema "Asparagus officinalis" (Gemüsespargel) justament für den Zeitpunkt parat gelegt, wenn die Natur ordentlich in Lauerstellung liegt. Das soll uns aber nicht weiter stören. Trittbrettfahren ist doch auch mal ganz schön. Außerdem: Eine in der herkömmlichen Berichterstattung völlig ausgesparte Nische hatten wir schon im Vorfeld unseres Hofbesuchs ausgemacht.

Oder haben Sie schon mal etwas von einem 24-Stunden-Spargelautomaten gehört? Nein? Wir nämlich auch nicht. "Die Idee dazu stammt aus Holland", so Walter Lamberts: "Dort werden die Dinger hauptsächlich für Erdbeeren eingesetzt." Mittlerweile gönnt sich die Familie - neben Ehefrau Angelika zählt noch Tochter Liza-Kathrin (26) dazu - zwei dieser bestens gekühlten Apparate, um damit im Sinne eines Rund-um-die-Uhr-Services nicht zuletzt auch die verringerten Öffnungszeiten des Hofladen auffangen zu können. "Unsere Spargelautomaten werden immer frisch bestückt, sind selbsterklärend zu bedienen und akzeptieren neben Münzgeld auch 5-, 10- und 20-Euro-Banknoten", steuert Angelika Lamberts das Sortiment, von grünem und weißen Spargel (letzterer auch geschält) über Erdbeeren bis hin zur Sauce Hollandaise.

Unser Besuch bei wirklich sympathischen Gastgebern hat uns mittlerweile in das Allerheiligste des Lamberts-Anwesens geführt, die Küche. Die ist so schön, dass wir hier am liebsten den Rest des Tages verbringen möchten: Die Kombination von Alt und Neu macht den besonderen Charme aus; das weiß gestrichene Bruchsteinmauerwerk harmoniert perfekt mit der modern gehaltenen offenen Wohnküche. Angelika Lamberts hat alles zur Hand, was mit Spargel und vor allem dessen Zubereitung zu tun hat - von Zeitungsartikeln über Appetit machende Fotos bis hin zu Rezeptkärtchen, wobei der Spargelsalat mit Erdbeeren und einer Crema di Balsamico einen besonderen Eindruck hinterlässt. Hier - und da schließen wir den eigentlichen Hofladen gerne mit ein - ist alles perfekt organisiert, wie übrigens auch auf der Homepage des Landwirtschaftsbetriebs: Alles über Spargel, Spargelsorten, Spargeltipps, Verkauf, Spargelrezepte, Über uns, Anfahrt ...

Die letzte Frage ist natürlich Pflicht: Wie essen denn die Lamberts' ihren Spargel am liebsten? Ganz klassisch mit Schinkenröllchen und guter Butter? Ja, auch, bis  "Chefkoch Walter" regelrecht ins Schwärmen gerät. Sein Favorit: Einfach Blätterteig auf ein Backblech legen, Spargel, Sauce Hollandaise und Schinken drauf verteilen, würzen, mit einem weiteren Blätterteig abdecken und mit Eigelb bestreichen - ab geht's in den Ofen. "Da könnte ich mich reinknien, so lecker ist das!", so Lamberts. Für die eher mediterrane Variante ist derweil Ehefrau Angelika zuständig. Dazu wird der schräg geschnittene (grüne) Spargel mit Zwiebeln, Knoblauch, getrockneten Tomaten und Olivenöl in der Pfanne angebraten, wahlweise Schinken, Eier oder Garnelen (!!!) dazu - fertig. Und die Garzeit? "Wie bei Bratkartoffeln". Passt - das schreit danach, ausprobiert zu werden.

Fragt man die während unseres Ortstermins an- und abfahrenden Kunden des Spargelhofs nach der Besonderheit  des Würselener Stangengewächs, dreht man sich im Kreis: Frische und Geschmack, Geschmack und Frische - nirgendwo anders gebe es eine bessere Qualität. Ja, glauben wir! Nicht zuletzt auch, weil wir uns ganz besonders herzlich willkommen gefühlt haben bei den Lamberts'. Warum hatten wir eigentlich schon seit längerem keine Leckermöffelche-Geschichte mehr im Programm? Völlig unverständlich! ;-)

Spargelhof Lamberts, Angelika & Walter Lamberts, Gut Paffenholz/Birk 80, Würselen
(Öffnungszeiten Hofladen: montags bis freitags von 10 - 17 Uhr, samstags von 9.30 - 15 Uhr, sonn- und feiertags von 10 - 13 Uhr; Weißer Spargel, 6. April 2017: 9,90 - 12,90 Euro pro Kilo je nach Dicke der Stangen; Spargelautomaten: Spargelhof Lamberts - zudem: Soerser Milchkännchen, Soerser Weg 268, Aachen)
www.gruen-spargel.de


Aachen hat eine ausgeprägte und liebenswert eigenwillige Esskultur. Mit zu den ältesten und bekanntesten Delikatessen gehören natürlich die ureigene Suurbroedem-Rezeptur mit Printensoße und Rotkohl, der Puttes (Blotwoosch med Speck, Eädappelpüree und Kompes) und das profan aber umso leckerer daherkommende Morre-Jemöß (Kartoffeln mit Möhren und Zwiebeln untereinander gekocht). Wer es lieber süß mag, hat mit Printen, Poschweck und den hierzulande erfundenen Streuselbrötchen allerhand zu schnützen. Tradition, die (man) schmeckt. NA!? möchte weitere Empfehlungen aussprechen. Vielleicht nicht so dermaßen markante wie in der eingangs aufgeführten Spezialitäten-Parade, dafür aber nicht minder ans (Genießer-)Herz zu legende. Öcher Leckermöffelche sozusagen - kulinarische Tipps, die einem schon beim bloßen Lesen das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Das liebevoll belegte Fleischkäse-Brötchen aus der winzigen Metzgerei ums Eck, der besonders prall gefüllte City-Döner, die Pizza mit Knofi-Garnitur oder der von Röstzwiebeln überhäufte Spießbraten aus der Stammkneipe - gesucht wird, was schmeckt und für kleines Geld zu haben ist.

Kennst Du etwa auch ein derartiges Leckermöffelche - dann eine Bitte vorweg: Erzähl es bloß nicht weiter! Der Insider-Tipp lässt sich viel besser in eine net(t)e Mail an die NA!?-Redaktion unter verpacken. Wir probieren gerne! Der Aufnahme in den etwas anderen "Leckerbissen-Kompass für Aachen und die Region" sollte dann nichts mehr im Wege stehen.