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Kunst, Kultur
Virtuose Malerei zum Spottpreis: Alfred Reuters bei der Arbeit in seinem Atelier in der Lothringerstraße. Der "Tote Hund der Woche" ist eine schier endlose Passion in Öl auf Leinwand. (Fotos: Bernd Born)
NA!? BRAVO! 25/04/2014

Toter Hund der Woche: ZACK! Alfred Reuters bittet das "Rudel" zum 10-Jährigen in die Galerie S.

von Bernd Born

Gehen wir mal nur von der räumlichen Distanz aus, ist ein (noch) kürzerer "Rechercheweg" undenkbar. Nicht mal zwei Meter sind es von der NA!?-Redaktionstür quer über den Flur zum gegenüberliegenden Büro, in dem Alfred Reuters seinen täglichen Job für die NetAachen verrichtet. Der Diplom-Designer ist im "Team Kommunikation" für alles Gestalterische zuständig - ein kreativer Tausendsassa, der seinen Arbeitgeber ins rechte Licht zu rücken weiß.

Mittlerweile gibt es eine treue Sammlerschar mit teils beeindruckenden Hundewänden - bespielhaft hier die Aachener Sammlung Geropanagiotis. (Foto: Later is now)
Die Hunde kosten bis zum 30. April jeweils 25 Euro und werden staffeleifeucht im Pizzakarton ausgegeben.
Auch mit Phtoshop kennt er sich aus: Der Künstler höchstpersönlich im "Hundsgewand" ...
Die neben dem Domkeller gelegene Galerie S. in der Aachener City: Hier findet am Donnerstag, 1. Mai, 19 Uhr, ein ganz spezielles "Rudeltreffen" statt: "ZACK - 10 Jahre Toter Hund der Woche; von und mit Alfred Reuters". Der Schöpfer der Kreaturen hat da noch eine Bitte: "Wer noch Hunde zu Hause hat, sollte sie auf jeden Fall mitbringen."

Doch Alfred Reuters führt ein Doppelleben: Hat er sein Tagwerk vollendet, trifft man ihn allzu häufig in der Ateliersozietät PROZITRON an. Der Zeigeraum in der Lothringerstraße 91 dient dem Maler und Bildhauer als idealer "Schauplatz" für seine manigfachen künstlerischen Aktivitäten, die über die Jahre einen immer höheren Bekanntsheitgrad erlangt haben.

Ein echter Reuters rangiert zunehmend im Status eines gefragten Sammlerobjekts - erst recht, wenn das Machwerk einer ganz bestimmten Gattung zuzuordnen ist. Wir sind beim Thema! Seit nunmehr exakt zehn Jahren malt Alfred Reuters den "Toten Hund der Woche" (THDW), handliche und erschwingliche Malereien im Leinwand-Format 18 x 24 Zentimeter, die nicht nur dem ziemlich verkümmerten Kunst-Interesse vieler Kollegen (der Schreiber dieser Zeilen möge als Paradebeispiel dienen) auf liebenswürdige Art und Weise auf die Sprünge geholfen haben.

"Toter Hund der Woche" - der Titel an sich wirft zunächst mal viele Fragen auf, die wir quasi via Flurfunk mit dem "Schöpfer dieser Kreaturen" geklärt haben.

Lieber Alfred, mal künstlerisch gefragt: Wie bist Du auf den Hund gekommen?
Der Hund begleitet mich als eine meiner frühesten noch lebendigen Kindheitserinnerungen. Eine Mischung aus Faszinosum und Angstgegenstand. Er taucht in vielen meiner Bilder auf. Eigentlich mag ich Hunde ganz gern. Frühere Albträume von sich an meiner Halsschlagader satt trinkenden Schlabbermäulchen großkalibriger Fellträger habe ich über die jahrelange Beschäftigung mit dem Sujet hinter mir lassen können. Eine Form von Konfrontationstherapie ...

... aus der heraus dann der "Tote Hund der Woche" entstanden ist?
Wechselwirkungsweise. Der Name ist wohl auch eine Reminiszenz an den "gelben Humpelhund", welchen mit zu gründen ich Anfang der 90er Jahre die Freude hatte. Natürlich auch eine Persiflage auf allgegenwärtige Vermarktungsmechanismen und Sonderangebotsspeichelflussreize. Der Hund, liebster Freund des Menschen, besetzt eine Stellvertreterfunktion und nimmt das ganze Leid der Welt auf sich.

Hättest Du vor zehn Jahren gedacht, dass der "Tote Hund" zu einem derartigen Dauerbrenner wird?
Nein, wirklich nicht. Als der "Tote Hund der Woche" erstmals im Frühsommer 2004 seinen Weg auf die Leinwand fand, war er nicht mehr als ein augenzwinkernder Versuch zwischen Sozialisierung der Kunst, Benefizmalen, Fingerübung und umweltfreundlicher Entsorgung von Palettendreck. Was als einmaliger Gag gedacht war, hat sich über die Jahre zu einem Freitags-Ritual mit nicht unerheblicher Öffentlichkeitswirkung entwickelt. Mittlerweile dürften wohl über 400 dieser Kleinode in aller Welt verstreut sein. Schön, dass der Hund heute in so vielen Haushalten hängt, wo er das erste Original ist oder war. Ein Eisbrecher. Und darum beständig zu 25 Euro. Das ist der Witz dabei. Eine Übertragung auf die Preispolitik der übrigen Werke findet nicht statt. Es gibt heute eifrige Sammler im In- und Ausland mit beeindruckenden Hundewänden. Thank dog, it's friday!

Für diejenigen, die es noch nicht wissen: Wie lässt sich ein "Toter Hund der Woche" an die Leine legen?
Das geht heutzutage rubbeldiekatz. War es zu Beginn des Hundelebens ein Warten auf Kundschaft im Schaufenster des Ateliers, so wurde mit der simultanen Zweitpräsentation des Machwerks über facebook (Toter Hund der Woche) die Schlagzahl deutlich erhöht. Es gehört schon eine Portion Glück, Hartnäckigkeit und Schlafverzichtsbereitschaft dazu, möchte man noch einmal ein Exemplar erwischen. Das "ZACK" als mittlerweile gebräuchlichste qualifizierte Kaufabsichtsbekundung steht meist schon binnen Sekunden als Kommentar unter dem Posting.

"ZACK - 10 Jahre Toter Hund der Woche" ist der Titel einer Vernissage von und mit Alfred Reuters am kommenden Donnerstag, 1. Mai 2014, 19 Uhr, in der Galerie S (Hof 3, Aachen). Was dürfen wir erwarten?
Die Ausstellung wird Hunde aus dem Privatbesitz der Sammler zeigen. Ein Rudeltreffen. Und für mich auch ein Wiedersehen mit Bildern, mit denen ich teilweise nur ein paar Minuten nach Fertigstellung verbringen durfte. Kunsthistorikerin Nadya Bascha wird einführende Worte zur Ausstellung (bis 5. Mai, Anm. der Redaktion) sprechen und für die musikalische Umrahmung konnte ich das Schlagsaitenquantett gewinnen.

PS: Herr Reuters hat seit drei Monaten auch einen Hund. Einen lebendigen.