Na!? Bitte!
Business
Die Brammertz Schreinerei GmbH aus Kornelimünster setzt auf einen ständigen Wissenstransfer zwischen Generationen.
NA!? BITTE! 16/04/2018

Digitalisierung braucht Rückgrat: "Brammertz-Digi-Workflow" wird vom intuitiven Handeln gespeist.

von Bernd Born

Die Schreinerei Brammertz in einem mit Aachener Inhalten getriebenen Magazinformat vorstellen zu wollen, macht nicht wirklich Sinn. Wie war das noch gleich mit den Eulen, die da nach Athen getragen werden? Das alteingesessene Familienunternehmen aus Kornelimünster versteht es wie kein zweites, traditionelle Werte und handwerkliches Wissen über Generationen hinweg mit den täglichen Fragestellungen nach Innovation und Digitalisierung zu verknüpfen. Und als ob das noch irgendeiner Bestätigung bedarf, heimst die von Eduard und Alice gemeinsam mit Sohn Max und Tochter Aline vorgelebte Brammertz-Philosophie in schöner Regelmäßigkeit regionale, nationale und sogar internationale Preise ein.

Vordenker für Digitalisierungsthemen in der Schreiner- und Fensterbau-Branche: Max und Eduard Brammertz im NA!?-Interview ...
Die Schreinerei Brammertz hat sich weit über die Grenzen Aachens hinaus einen exzellenten Ruf als moderne und erfolgreiche Schreinerei erworben: Mit traditionellem Know-how und CNC-Präzisionstechnik werden in Eigenherstellung Premium-Produkte von höchstem Qualitätsstandard und modernster Technologie gefertigt.
Ob Sanierung, ob Neubau oder Umbau ... - zwei ausgesuchte Referenzobjekte, die die höchst individuelle "Brammertz-Herangehensweise" perfekt zu untermalen wissen.
Wenn Teamarbeit und Wohlfühlfaktor keine leere Worthülsen sind: Familie Brammertz legt allerhöchsten Wert auf ein gutes und ausgewogenes Miteinander im Betrieb.

Bilden wir uns das ein oder ist es wirklich so? Schon bei der Begrüßung durch Alice Brammertz und wenig später auch beim unmittelbaren Aufeinandertreffen mit den beiden Herren des Hauses, unseren ausgemachten Gesprächspartnern, ist eine besondere Herzlichkeit zu spüren, die weit über das übliche Maß gebührender Umgangsformen hinausgeht. Wir fühlen uns nicht als zweckgebundener "Termin", sondern vielmehr als Gast, dem man uneingeschränkte Aufmerksamkeit schenken möchte. Da auch wir vorbereitet sind, entwickelt sich in den nächsten knapp 60 Minuten ein Gespräch, aus dem sich nicht nur ein sehr lesenswertes Stichpunkte-Interview über die Möglichkeiten der auf NetAachen-Produkten (u.a. Standortvernetzung, virtuelle Telefonanlage Hosted PBX) basierenden Digitalisierung für eine mittelständische Schreinerei im "ständigen Wissenstransfer" ziehen lässt. Es bleibt richtig was "hängen"! Und darauf kommt’s doch eigentlich an, oder?

In gleich zwei Kategorien ("Digitalisierung - vom Aufmaß bis zur Abnahme", "Zukunftsbildung - vom Azubi bis zum Nachfolger") erhielt der Vorzeigebetrieb aus dem Aachener Süden zuletzt den Alfred-Jacobi-Preis 2017 des Tischlerhandwerks Nordrhein-Westfalen; mindestens genauso gut können wir jetzt allerdings den von der gemeinnützigen unabhängigen US-amerikanischen Organisation AARP (American Association of Retired Persons) verliehenen internationalen Arbeitgeberpreis für demografieorientierte Personalpolitik nachempfinden. "Das Personalkonzept hat überzeugt, vor allem die Förderung der Mitarbeiter in jeder Lebensphase", heißt es im Juryurteil. Bei Familie Brammertz, so erfahren wir, sind "Menschlichkeit und Achtsamkeit" unantastbare Vertrauensgrundlagen. Der Rest lässt sich leicht zusammenreimen: Ein derartiges Umfeld schafft reichlich Identifikationspotenzial, das von den Mitarbeitern - 24 weitere im Alter zwischen 18 und 80 Jahren - als höchstes Firmengut zur Schau gestellt werden kann.

Zum eigentlichen Interview: Stichwort für Stichwort - die beiden Geschäftsführer Max und Eduard Brammertz über …


Digitale Transformation

Max Brammertz: "Die ersten DOS-Betriebssysteme, spezielle Branchensoftware für Fensterbausysteme oder die Homepage Mitte der Neunzigerjahre - meine Eltern haben schon immer sehr fortschrittlich gedacht. Als ich dann 2008 in die Firma gekommen bin, habe ich mich verstärkt der Prozessoptimierung gewidmet, um im Zuge unaufhaltsam fortschreitendender Digitalisierungsthemen das Programm OneNote (eine Software von Microsoft, die den PC als eine Art Notizblock nutzt, Anm. d. Red.) für unsere Zwecke zu entdecken. Nach einem Selbstversuch zur digitalen Archivierung privater Unterlagen, ist es mir schließlich gelungen, dass wir seit nunmehr gut vier Monaten an unserem Standort 'Am Bahnhof 9' (neben 'Am Berg 14') alle Geschäftsprozesse inklusive Fertigung komplett digital bewerkstelligen."


"OneNote" als Plattform

Max Brammertz: "Ich habe mich gefragt, wie funktioniert ein guter Papierordner mit farbigen Reitern zum schnellen Wiederfinden der jeweils benötigten Unterlagen. Nichts anderes ist OneNote im digitalen Sinne, wobei mir allerdings wichtig war, dass die gute Papierstruktur, die wir vorher gepflegt haben, nicht verloren geht und unsere Mitarbeiter die gerade in der Schreiner- und Fensterbau-Branche elementaren Vorteile einer Skizze beziehungsweise eines Vor-Ort-Aufmaßes weiter nutzen können - beispielsweise mit einem speziellen Stift auf dem Tablet. Das Arbeiten bleibt intuitiv und wird vom Digitalisierungsfortschritt vereinfacht."

Eduard Brammertz: "Der Brammertz-Digi-Workflow stützt sich auf fünf Säulen: Kundenkorrespondenz, Lieferanten, Technik, Werkstatt und Montage inklusive Gefährdungsbeurteilung (Stichwort: Obhutspflicht). Dabei greifen alle Rädchen im Sinne der angesprochenen Ordnerstruktur nahtlos ineinander. Ob in der Werkstatt oder mit dem Tablet auf der Baustelle - wir können jederzeit auf alle wichtigen Daten zugreifen und sind zugleich über die aktuellen Stände sämtlicher Aufträge informiert."


Generationen-Tandems

Eduard Brammertz: "Wir setzen auf einen ständigen Wissens-Transfer. Gerade bei Themen der Digitalisierung bietet es sich doch an, einen jüngeren und einen schon etwas älteren Mitarbeiter in einem Team zu vereinen, oder einen extrovertierten mit einem eher introvertierten. Wir möchten Stärken zusammenführen und nicht etwa gegeneinander ausspielen. Jedes Alter hat seine Stärken und das spüren wir auch ganz deutlich, wenn wir beispielsweise altbewährtes handwerkliches Know-how mit einer stärker ausgeprägten fortschrittlichen Denkweise kombinieren können. Letztendlich profitiert der Kunde - unsere Hauptaufgabe besteht nicht in der bloßen Befriedigung der Nachfrage, unsere Produkte leben vom gemeinschaftlich Entwickelten - da steckt nicht zuletzt auch ganz viel Liebe zum Detail drin."


Vorreiterrolle

Max Brammertz: "Wichtig bei allen Fragen der Digitalisierung sind das einfache Verständnis und somit die Griffigkeit der einzuleitenden Prozesse sowie nicht zuletzt auch der gemeinschaftliche Nutzen, den man aus den Maßnahmen ziehen kann. Diese Punkte galt es herauszustellen, als ich unser OneNote-System zuletzt auf der Fensterfachtagung des Landesverbandes Tischler NRW vorstellen durfte."

Eduard Brammertz: "Oberste Prämisse ist, dass wir unser Handwerk nie vergessen dürfen: Wir schießen ja nicht nur mit diesen neuen Dingen durch die Decke, sondern sehen uns in allererster Linie als eine Art Manufaktur beispielsweise im Segment der Denkmalpflege. Dazu kommt, dass wir zwar auf hochmoderne CNC-Fertigungstechniken (Computerized Numerical Control) vertrauen, das zur Prozessoptimierung vorgefertigte Produkt dann allerdings durch hochqualifizierte Schreiner und Schreinermeister veredelt wird. Wir technisieren also nicht, um Mitarbeiter auszusparen, sondern um ihre Stärken im Sinne des Produkts noch deutlicher zum Vorschein bringen zu können."


Mitarbeitermotivation

Max Brammertz: "Ganz wichtig ist immer, dass die Mitarbeiter ein Mitspracherecht haben. Das heißt: Etwas vorstellen und dann einen kreativen Prozess gestalten, wie man Maßnahmen dann auch wirklich einführt. Dann gilt es Verbesserungs- und Lösungsvorschläge sowie Ideen aus der Mitarbeiterschaft bereitwillig aufzunehmen. Man sollte als Unternehmen transparent, offen, ehrlich und authentisch sein - nur dann ist eine Identifikation des Mitarbeiters mit dem Unternehmen und darüber hinaus mit Veränderungsszenarien möglich. Das sieht unsere Personalpolitik-Philosophie vor dem Hintergrund einer von meinen Eltern sehr stark geprägten christlichen Soziallehre vor: Der Mensch steht im Mittelpunkt des Unternehmens - Lob, Achtung, Respekt und Anerkennung für und vor den Mitarbeitern. Wenn diese Grundregeln spürbar gelebt werden, braucht man meines Erachtens keine Angst vor Neuerungen zu haben."

Eduard Brammertz: "Ein guter Umgang miteinander sollte das Maß aller Dinge sein: Wir begrüßen uns jeden Morgen per Handschlag, alle! Körpersprache ist uns wichtig, eine offenherzige Fehlerkultur und dass wir uns zuhören und aufeinander Acht geben. Wie Max schon gesagt hat: Beherzigt man schon solch scheinbar kleine Gesten, lassen sich auch Herausforderungen, etwa die der Digitalisierung, gemeinschaftlich meistern. Und das mit großer Freude!"


Weitere Informationen unter www.brammertz-schreinerei.de